Die Meldungen über geschmolzene Stromanschlüsse bei der Radeon RX 9070 XT häufen sich – und das sorgt zunehmend für Unruhe unter PC-Enthusiasten. Nur rund einen Monat nach dem Vorfall mit der ASRock RX 9070 XT Taichi OC ist nun auch die Sapphire RX 9070 XT Nitro+ betroffen. 
Beide Karten gehören zu den wenigen Modellen, die auf den umstrittenen 16-Pin-Stecker (12VHPWR) setzen – und genau dieser scheint erneut zum Problem geworden zu sein.
Eigentlich gilt die RX 9070 XT nicht als besonders stromhungrig. Selbst unter Volllast liegt sie meist zwischen 300 und 350 Watt – also deutlich unter der kritischen Grenze, bei der Kabelprobleme zu erwarten wären. Viele Hersteller vertrauen daher weiterhin auf das bewährte 3×8-Pin-Design, das für stabile Stromversorgung bekannt ist. Nur ASRock und Sapphire entschieden sich für den neuen 16-Pin-Standard – und beide wurden inzwischen Opfer derselben Schwachstelle: geschmolzene Anschlüsse.
Der neueste Fall stammt von Reddit-Nutzer u/e92justin, der Bilder seiner beschädigten Sapphire RX 9070 XT Nitro+ veröffentlichte. Laut seiner Aussage verwendete er den im Lieferumfang enthaltenen Adapter von 3×8-Pin auf 16-Pin, da sein Netzteil keinen nativen 12VHPWR-Anschluss besaß. Diese Adapter stehen schon länger in der Kritik, da sie bei schlechter Passung oder leichtem Verkanten Überhitzung verursachen können
. Wenn ein Pin nicht richtig sitzt, entsteht zusätzlicher Widerstand – und das Resultat ist oft ein geschmolzener Stecker.
Interessant ist, dass die Leistungsaufnahme des Systems völlig im Rahmen blieb. Der Nutzer gab an, dass seine Karte rund 360 Watt zog, nachdem er das Powerlimit um 10 % angehoben hatte. Zum Vergleich: Eine RTX 5080 liegt im gleichen Bereich, und selbst die RTX 5090 mit ihren 575 Watt ist deutlich anspruchsvoller – trotzdem kommt es hier selten zu solchen Vorfällen. Das deutet darauf hin, dass nicht der Stromverbrauch das Hauptproblem ist, sondern die Konstruktion des 16-Pin-Systems selbst, das bereits bei NVIDIA-Karten für Ärger sorgte.
Der 12VHPWR-Stecker sollte eigentlich ein Fortschritt sein – kompakter, moderner, leistungsstärker. Doch in der Praxis erweist er sich als empfindlich: Schon ein minimal schief eingestecktes Kabel kann ungleichmäßige Lastverteilung und Hitzestau verursachen. Kombiniert mit billigen Adaptern oder mangelhafter Belüftung entsteht ein gefährlicher Cocktail, der selbst hochwertige Hardware zerstören kann. Besonders riskant sind enge Gehäuse, in denen sich die Kabel stark biegen oder anstoßen.
Für Besitzer einer RX 9070 XT mit 16-Pin-Anschluss bedeutet das: höchste Vorsicht. Der Stecker sollte immer fest und gerade sitzen, Adapter sollten möglichst vermieden werden. Wer erst noch eine Karte kaufen möchte, ist mit einem Modell mit drei 8-Pin-Anschlüssen auf der sicheren Seite – optisch vielleicht weniger elegant, aber technisch deutlich robuster.
Die wachsende Zahl solcher Vorfälle zeigt, dass die Industrie mit der steigenden Leistungsaufnahme moderner GPUs zu kämpfen hat. Während Chips und Kühlung immer leistungsfähiger werden, scheint die Stromversorgung der neuen Generation noch nicht ausgereift zu sein. Bis der 12VHPWR-Standard überarbeitet wird, könnten selbst Mittelklassekarten wie die RX 9070 XT weiterhin Opfer ihrer eigenen Technik werden.
2 kommentare
ich bleib lieber bei 3×8-pin, weniger Stress
NVIDIA hatte das gleiche Problem, jetzt trifft’s AMD 😂