Startseite » Nicht kategorisiert » Snapdragon 8 Gen 5: fast Flaggschiff, klar als Flagship-Killer geplant

Snapdragon 8 Gen 5: fast Flaggschiff, klar als Flagship-Killer geplant

von ytools
1 kommentar 3 ansichten

Qualcomm hat den Snapdragon 8 Gen 5 offiziell vorgestellt – einen Chip, der formal unter dem Snapdragon 8 Elite Gen 5 einsortiert ist, in der Praxis aber klar als Flagship-Killer positioniert wird.
Snapdragon 8 Gen 5: fast Flaggschiff, klar als Flagship-Killer geplant
Die Idee dahinter: möglichst viel Elite-Technik in Smartphones bringen, die preislich eine Stufe unter den absoluten Luxus-Modellen liegen, ohne den echten Flaggschiff-Chip zu entwerten.

Technisch basiert der Snapdragon 8 Gen 5 auf demselben modernen 3-nm-Prozess wie der Elite und setzt ebenfalls auf Qualcomms dritte Generation der Oryon-CPU. Das Layout besteht aus zwei besonders schnellen Prime-Kernen mit bis zu 3,8 GHz und sechs Performance-Kernen, die auf bis zu 3,32 GHz takten. Offiziell vergleicht Qualcomm den Chip nicht mit dem Elite, sondern mit dem zwei Jahre älteren Snapdragon 8 Gen 3 und verspricht rund 36 Prozent mehr CPU-Leistung sowie etwa 13 Prozent geringeren Energiebedarf für das gesamte SoC. Im Alltag bedeutet das: flottere App-Starts, spürbar mehr Reserven für Multitasking und die Chance auf bessere Akkulaufzeiten – sofern die Hersteller den Chip nicht künstlich an die Leistungsgrenze prügeln.

Bei der Grafik fährt Qualcomm einen etwas vorsichtigeren Kurs. Im Snapdragon 8 Gen 5 steckt eine abgespeckte Variante der Adreno-840-GPU mit Unterstützung für Frame Motion Engine 3.0. Diese Technik kann Zwischenbilder berechnen und so die wahrgenommene Bildrate in Spielen erhöhen, ohne dass der Renderer tatsächlich doppelt so viele Frames ausspuckt. Auf Adreno High-Performance-Memory, das dem Elite vorbehalten bleibt, muss man hier verzichten. Unterm Strich soll die GPU dennoch rund 11 Prozent schneller sein als beim Snapdragon 8 Gen 3 – für die meisten Gamer absolut ausreichend, für Benchmark-Jäger aber klar als nicht-maximaler Ausbau erkennbar.

Besonders selbstbewusst tritt Qualcomm beim Thema KI auf. Der integrierte Hexagon-NPU der neuesten Generation soll laut Hersteller bis zu 46 Prozent mehr KI-Leistung liefern als im 8 Gen 3. Das ist nicht nur Marketing für generative Demos auf der Bühne, sondern hat handfeste Auswirkungen auf den Alltag: Sprachassistenten, die vollständig offline laufen können, Bild- und Videobearbeitung mit automatischem Freistellen, Bokeh-Effekten und Retusche in Echtzeit, Live-Übersetzungen und Transkriptionen direkt auf dem Gerät. Der Snapdragon 8 Gen 5 ist zudem auf multimodale Szenarien ausgelegt, bei denen Text, Audio und Bild gemeinsam ausgewertet werden – etwa wenn Kamera, Galerie und Assistant enger zusammenspielen.

Ein High-End-SoC entscheidet sich aber nicht nur bei CPU und GPU, sondern auch bei Kamera und Funk. Positiv: Beim Bildprozessor und beim Modem hat Qualcomm kaum den Rotstift angesetzt. Der Snapdragon 8 Gen 5 nutzt weiterhin den Spectra-ISP mit Unterstützung für hochauflösende Sensoren, fortgeschrittene HDR-Verarbeitung und ausgeprägte Nachtmodi. Auf der Konnektivitätsseite kommt das X80 5G Modem-RF System zum Einsatz – exakt derselbe Modem-Baustein, der auch in den Elite-Varianten steckt. Damit bleiben 5G-Geschwindigkeit, Netzabdeckung und Effizienz auf Flaggschiff-Niveau, obwohl der Chip nominell nur die „zweite Reihe“ sein soll.

Die große Frage für Power-User ist weniger, wie hoch die Peak-Werte auf dem Datenblatt sind, sondern wie lange sich diese Leistung halten lässt. In den letzten Jahren hat Qualcomm sich den Ruf erarbeitet, extrem schnelle, aber schwer zu kühlende Flaggschiff-Chips zu bauen. Das bekannte Prinzip der sogenannten „race to idle“-Strategie: kurzzeitig hohe Taktraten und Leistungsaufnahmen von 15 bis 20 W, um Aufgaben schnell abzuarbeiten, danach ein aggressives Absenken der Frequenzen. Für kurze Lasten funktioniert das, bei längeren Gaming-Sessions oder Dauerbelastung folgt jedoch schnell der Einbruch – und das Performance-Niveau nähert sich eher einem gut optimierten oberen Mittelklasse-Chip an.

Spannend ist, dass die Oryon-Kerne ausgerechnet im niedrigen Taktbereich besonders effizient sind. Messungen früherer Oryon-Plattformen zeigen: Man kann etwa 50 bis 70 Prozent der Maximalleistung mit einem Bruchteil der maximalen Leistungsaufnahme erreichen, wenn man die Frequenz vernünftig begrenzt. Genau hier könnte der Snapdragon 8 Gen 5 glänzen. Hersteller, die ihr Kühlkonzept ordentlich auslegen und nicht krampfhaft um jeden Benchmark-Punkt kämpfen, könnten sehr stabile, kühle Geräte bauen, die sich im Alltag fast wie ein Elite-Smartphone anfühlen – nur ohne heiße Rückseite und schnell leergezogenen Akku. Modelle, die dagegen nur auf Rekorde in Geekbench & Co. optimiert sind, werden vermutlich wieder unter Throttling und stark schwankender Bildrate leiden.

Für zusätzliche Diskussion sorgt Qualcomms verwirrende Namenspolitik. In kurzer Zeit haben sich Bezeichnungen wie Snapdragon 8 Gen 1, 8+ Gen 1, 8 Gen 2, 8 Gen 2 for Galaxy, 8 Gen 3, 8s Gen 3, 8s Gen 4, 8 Elite, 8 Elite for Galaxy und nun 8 Elite Gen 5 sowie 8 Gen 5 angesammelt. Für Normalnutzer ist kaum nachvollziehbar, welcher Chip tatsächlich schneller oder moderner ist. Der Name „Snapdragon 8 Gen 5“ klingt für viele automatisch nach „fast Elite“, obwohl es sich in Wahrheit um eine bewusst abgespeckte, aber clever positionierte Variante handelt, die die Lücke zwischen Oberklasse und Voll-Flaggschiff füllen soll.

Entsprechend groß ist der Spalt zwischen Marketing-Versprechen und Realität des Begriffs Flagship-Killer. Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass ein guter Mittelklasse- oder „Premium-Midrange“-Chip mit sauberem Tuning im Alltag kaum langsamer wirkt als ein überhitztes Top-SoC, das nach wenigen Minuten drosselt. Andere machen sich darüber lustig, dass man zwar einen Snapdragon 8 Gen 5 auf dem Karton stehen hat, aber eventuell nur Wi-Fi 6, irgendeine Bluetooth-5.x-Version und eine eher durchschnittliche Akkutechnik bekommt – während in der Werbung große Flaggschiff-Slogans bemüht werden.

Trotzdem bringt der Snapdragon 8 Gen 5 einige echte Pluspunkte mit. Das X80-Modem im „Nicht-Elite“-Chip ist ein starkes Signal, dass Qualcomm die Konnektivität bewusst auf Flaggschiff-Niveau halten will. Dass Oryon-Kerne nun unterhalb der Elite-Stufe ankommen, zeigt, dass die Architektur reif ist, breiter eingesetzt zu werden. Wenn die Hersteller den Mut haben, sich auf Effizienz und Nutzererlebnis statt auf reine Benchmarks zu konzentrieren, könnte der 8 Gen 5 zu genau dem Sweet Spot werden, den viele Power-User seit Jahren suchen.

Den Anfang macht OnePlus: Der Snapdragon 8 Gen 5 wird erstmals im OnePlus Ace 6T zu sehen sein, das international voraussichtlich als OnePlus 15R startet – einer Serie, die traditionell Performance und relativ schlanken Preis kombiniert. Auch iQOO, Motorola und vivo haben bereits Geräte mit dem neuen Chip in der Pipeline. Wie aggressiv sie Taktraten, Kühlsysteme, Bildwiederholraten und Funkausstattung auslegen, wird am Ende entscheiden, ob die ersten Smartphones mit Snapdragon 8 Gen 5 echte Flagship-Killer werden oder nur weitere, fein segmentierte High-End-Optionen. Parallel dazu arbeitet MediaTek an neuen Dimensity-SoCs in der Oberklasse, die vor allem bei Effizienz, Gaming-Stabilität und KI mithalten oder vorbeiziehen wollen. In diesem Umfeld hat der Snapdragon 8 Gen 5 das Potenzial, zum heimlichen Standard für leistungsstarke Android-Geräte 2025 zu werden – oder eben zu einem weiteren verwirrenden Namen in einer ohnehin unübersichtlichen Chip-Landschaft.

Das könnte Ihnen auch gefallen

1 kommentar

SamLoover December 28, 2025 - 3:27 am

Ganz ehrlich, das sieht nach einem 8 Elite auf Diät aus – gleicher Kopf, aber die GPU wurde wohl ein bisschen zurechtgestutzt. Marketing verkauft es natürlich als fast das Gleiche 😂

Antworten

Einen Kommentar hinterlassen