Ein Vierteljahrhundert nach dem PC-Start erlebt Raven Softwares Soldier of Fortune ein verblüffendes Comeback – nicht als billiger Nostalgie-Filter, sondern als echte Lichtkur. Der Modder Pathtraced Paradise setzt mit RTX Remix auf vollständiges Path-Tracing, zeitgemäße PBR-Materialien und einen aktuellen Post-FX-Stack. 
Das Ergebnis wirkt wie eine Zeitreise: Mündungsfeuer trägt die Szene, Reflexionen verhalten sich plausibel, indirektes Licht füllt Gänge statt sie nur anzumalen, und die berüchtigte Gore-Darstellung steht nicht länger unter starren Lightmaps, sondern unter physikalisch glaubwürdiger Beleuchtung.
Was schon läuft – und was noch fehlt
Aktuell hat der Entwickler laut eigenen Angaben die Tutorial-Mission sowie die ersten drei Level kompiliert; öffentlich zu sehen sind Spielszenen aus den ersten beiden. Download? Noch keiner. Release-Termin? Ebenfalls offen – Work-in-Progress im besten Wortsinn. Trotzdem zeigt das Material bereits, warum RTX Remix für alte DirectX-Klassiker spannend ist: Das Tooling klinkt sich in Draw-Calls ein, ermöglicht Material- und Lichtaustausch und rendert die Szene anschließend in einem Path-Tracing-Runtime mit modernen Denoisern und Tonemappern. Aus Tricks wird Verhalten.
Mehr als ein „RT-On“-Schalter
Remix ist kein Effekt, sondern eine Pipeline. Ambient Occlusion entsteht aus dem Lichttransport, nicht aus dunklen Texturplacken. Glanzlichter bauen sich auf, statt stumpf umzuschalten. Selbst simple Geometrie gewinnt Tiefe, weil Oberflächen endlich wie Metall, Beton oder nasse Fliesen reagieren. Genau dadurch nähert sich das Bild jener Erinnerung, die viele von früheren Durchläufen im Kopf haben – nur diesmal stimmt die Physik dahinter.
WIP sieht nach WIP aus
Ja, einzelne Szenen wirken noch körnig, überstrahlt oder vom Denoiser weichgespült. Path-Tracing braucht Zeit zum Konvergieren; YouTube-Kompression verschärft Artefakte. Rechnet mit weiterem Feinschliff: angepasste Belichtung, korrigierte Metallness, überarbeitete Emissives, neu getunte Volumen. Wichtig ist, dass die Grundanlage bereits greift: Licht bounct, Schatten und Reflexionen sind stimmig und tragen Atmosphäre, ohne das Leveldesign anzutasten.
Performance: viel hängt am Setup
Wie bei anderen Remix-Projekten empfiehlt sich GPU-Hardware mit RT-Beschleunigung. Offizielle Mindestanforderungen gibt es derzeit nicht. In der Praxis entscheidet die Mischung aus Sample-Budget, Denoise-Parametern und Upscaling (DLSS/FSR) über die Bildrate. Spiegelnde Szenen und starke Emissives kosten Leistung, weite Areale mit Volumen-Nebel ebenso. Wer sauber konfiguriert, bekommt aber meist spielbare Ergebnisse – und ein Bild, das der Vorlage würdig ist.
Einordnen: Teil einer größeren Mod-Welle
Der Soldier of Fortune-Vorstoß reiht sich in eine Serie von Path-Tracing-Neuinterpretationen: Jüngst sorgten Projekte zu Max Payne 2, Grand Theft Auto IV und The Elder Scrolls III: Morrowind für Aufsehen; sehenswert sind auch Versuche zu Fallout: New Vegas und Black Mesa. Der Macher hinter einem bekannten GTA-IV-Mod lieferte zudem Path-Tracing-Umsetzungen für Call of Duty 4: Modern Warfare, Portal 2 und Left 4 Dead 2 – ein Hinweis, dass der Ansatz von engen Korridoren bis zu offenen Stadträumen skaliert.
Erwartungen kalibrieren
Ohne Veröffentlichung bleibt es vorerst eine starke Vorschau. WIP-Bilder sind Momentaufnahmen, keine Versprechen: Shader und Materialien werden rotieren, die Belichtung wird nachgezogen, die Levelabdeckung wachsen. Und weil es ein Hobbyprojekt ist, diktiert der Kalender des Modders die Taktung – nicht ein Sprintplan.
Community-Echo: heiß, aber vorhersehbar
Die Kommentarspalte liefert das übliche Spektrum: zu hell, zu weich, zu „modern“ – und natürlich das alte Lagerdenken zwischen GPU-Marken. Dabei ist die Zielrichtung klar: bestmögliche Optik auf aktueller Hardware, nicht Marken-Propaganda. Mit jeder Material-Iteration und jedem Exposure-Pass schrumpfen die Kinderkrankheiten, die beim ersten Eindruck stören.
Fazit
Wer Shooter der frühen 2000er liebt, sollte dieses Projekt im Blick behalten. Das Gameplay bleibt unberührt, aber das Licht erzählt die bekannten Szenen neu – respektvoll, stimmungsvoll, zeitgemäß. Wenn irgendwann ein öffentliches Build erscheint, könnte dies die definitive Art werden, Soldier of Fortune heute zu spielen. Bis dahin zeigen die Clips: Wenn Licht sich wie Licht verhält, altert auch ein Klassiker deutlich langsamer.