Star Wars kehrt auf die große Leinwand zurück – und zwar ohne sich schon wieder an den Namen Skywalker zu klammern. Star Wars: Starfighter, inszeniert von Shawn Levy mit Ryan Gosling in der Hauptrolle, versteht sich von Anfang an als eigenständiger Film und nicht als heimlicher „Episode X“-Anbau. Dass dieses Projekt anders ticken will, merkt man ausgerechnet an einem Bereich, der bei Star Wars fast heilig ist: der Musik. 
Anstatt die bekannten Motive von John Williams zum x-ten Mal zu recyceln, holt sich Levy mit Thomas Newman einen neuen Klangarchitekten an Bord und macht klar: Hier gibt es keinen Best-of-Remix der alten Themen.
Newman ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Der Grammy-, Emmy- und BAFTA-Preisträger wurde mehrfach für den Oscar nominiert und hat einige der einprägsamsten Scores der letzten Jahrzehnte geschrieben: von American Beauty und Erin Brockovich über Die Verurteilten bis hin zu den Bond-Filmen Skyfall und Spectre sowie Pixar-Klassikern wie Findet Nemo und WALL·E. Seine Musik kann intim und zerbrechlich, aber auch groß und hymnisch sein – genau diese Bandbreite soll nun in einer weit, weit entfernten Galaxis landen.
Im Gespräch im Podcast On Film… with Kevin McCarthy erklärte Shawn Levy, er habe Starfighter von Beginn an mit einer „klassisch inspirierten, herzenswarmen“ Musik im Kopf geplant. Er wolle deutliche Themen, Melodien, die hängenbleiben, und keinen anonymen Klangteppich, wie er viele moderne Blockbuster begleitet. Gleichzeitig war ihm klar, dass ein bloßes Wiederaufwärmen der Williams-Motive den Film sofort in die zweite Reihe verweisen würde. „Es sollte sich nach Star Wars anfühlen, aber nicht wie ein Coveralbum der Originaltrilogie“, fasst Levy seine Prämisse zusammen.
Also griff der Regisseur zum Telefon, rief Thomas Newman an und fragte, ob er sich ein Star-Wars-Projekt vorstellen könne, das die Tradition des großen Orchesters ernst nimmt, aber musikalisch Neuland betreten will. Er schickte dem Komponisten das Drehbuch, schilderte ausführlich seine Vision – und bekam ein klares Ja. Levy beschreibt Newman als jemanden, der sich, ähnlich wie John Williams, nicht vor starken Themen scheut, sondern im Gegenteil bewusst mit Melodie und Wiedererkennung arbeitet, statt alles in Geräusche und Rhythmus aufzulösen.
In der Fan-Szene sorgt dieser Schritt für lebhafte Diskussionen. Manche kommentieren spöttisch, es wirke fast kleinlaut, sich mit einem „Emmy-prämierten Komponisten“ zu schmücken, solange John Williams noch lebt und für viele die unangefochtene Nummer eins bleibt. Andere verweisen darauf, dass Auszeichnungen wenig zählen, wenn am Ende niemand die Musik nachsummen kann – Williams habe schließlich Melodien geschaffen, die selbst Menschen kennen, die die Filme nie komplett gesehen haben. Gleichzeitig wächst die Gruppe derjenigen, die genug von Nostalgie auf Autopilot haben und lieber einen mutigen neuen Score riskieren, als ein weiteres Mal dieselben Motive in leicht veränderter Form serviert zu bekommen.
Wichtig ist: Niemand versucht, John Williams zu „ersetzen“. Seine Musik ist tief in der DNA von Star Wars verankert; die Fanfare, der Imperiale Marsch, das Thema der Macht – all das ist längst zu Allgemeingut geworden. Sich eins zu eins daran anzulehnen, wäre zum einen unfair, zum anderen künstlerisch wenig spannend. Starfighter verfolgt einen anderen Ansatz: Die Skywalker-Saga behält ihre ikonischen Themen, die neue Geschichte bekommt ihren eigenen Klangkosmos. Das ist mutig, aber konsequent – wenn der Film eigenständig sein will, muss die Musik denselben Anspruch haben.
Inhaltlich setzt Star Wars: Starfighter fünf Jahre nach den Ereignissen von Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers an. Es geht nicht um die nächste geheime Verwandtschaft, keine verschollenen Jedi-Legenden und keine nachgereichten Prophezeiungen. Im Zentrum steht eine frische Figur, gespielt von Ryan Gosling, und sein jugendlicher Neffe, verkörpert von Nachwuchsdarsteller Flynn Gray. Ihre Beziehung – irgendwo zwischen widerwilliger Verantwortung, echter Zuneigung und gemeinsamem Improvisieren – dürfte der emotionale Kern des Films sein.
Der restliche Cast unterstreicht, dass hier keine „Greatest Hits“-Show geplant ist. Matt Smith, vielen als exzentrischer Doctor aus Doctor Who bekannt, übernimmt eine Schurkenrolle, bei der man mit einer Mischung aus Intensität und Unberechenbarkeit rechnen darf. Mia Goth, gefeiert für ihre Arbeiten im Horrorfach, bringt eine andere, fast verstörende Energie ins Spiel. Dazu kommt Simon Bird aus The Inbetweeners, dessen trockener, leicht peinlicher Humor perfekt zu einer Star-Wars-Welt passen könnte, die wieder mehr auf menschliche Momente setzt statt auf eine Gagquote pro Minute.
Die Dreharbeiten begannen im August, und die ersten offiziellen Setfotos zeichnen ein Bild, das zugleich vertraut und neu wirkt. Auf einem Foto sitzen Gosling und Gray auf einem ramponierten Gleiter, der unverkennbar an die Landspeeder aus Eine neue Hoffnung erinnert – aber mit genug eigenen Details, um nicht wie eine Requisite aus dem Museum zu wirken. Ein anderes Bild zeigt die beiden auf einer schwebenden Plattform über Wasser, irgendwo zwischen Sci-Fi-Floss und Bühne für ein Vater-Neffe-Gespräch. Es sind Motive, die den Geist von Star Wars atmen, ohne sich in purer Retro-Ästhetik zu verlieren.
Gerade Fans, die vom Ende der Sequel-Trilogie und speziell von Der Aufstieg Skywalkers enttäuscht wurden, schauen auf Starfighter mit vorsichtigem Optimismus. Die Aussicht auf einen Film, der thematisch nicht alles und jeden mit allem verbinden muss, sondern „nur“ ein in sich geschlossenes Abenteuer erzählt, wirkt wie eine kleine Befreiung. Dass die Musik diesen Ansatz spiegelt, indem sie auf eigene Themen setzt statt auf Dauerzitate, passt zu dem Wunsch, Star Wars wieder weniger als Pflichtprogramm und mehr als Erlebnis zu begreifen.
Natürlich steigt damit auch der Druck auf Thomas Newman. Moderne Blockbuster-Scores werden oft kritisiert, weil sie zwar laut, aber kaum wiedererkennbar sind. Newman muss nun Melodien liefern, die sowohl in den Kosmos von Star Wars passen als auch eigenständig klingen – und idealerweise Kinder, Teenager und Erwachsene gleichermaßen zum Mitsummen bringen. Skeptiker bezweifeln, dass irgendjemand an den ikonischen Status eines Williams herankommen kann. Optimisten halten dagegen: Wenn es einen Komponisten gibt, der die nötige Erfahrung und Sensibilität mitbringt, dann vielleicht genau ihn.
Shawn Levy betonte bei Fan-Veranstaltungen immer wieder, dass Star Wars: Starfighter weder Prequel noch Sequel und schon gar nicht heimliche „Episode 9,5“ ist. Es sei ein neues Abenteuer, in einem Zeitabschnitt, der bisher kaum erzählt wurde, mit Figuren, deren Zukunft noch komplett offen ist. Die Verpflichtung von Thomas Newman fügt sich nahtlos in diese Linie ein. Gelingt es Film und Musik, gleichzeitig vertraut und überraschend zu wirken, könnte Starfighter unauffällig, aber wirkungsvoll den Startschuss für eine freiere, experimentierfreudigere Kinozukunft von Star Wars geben.
Star Wars: Starfighter soll am 28. Mai 2027 in die Kinos kommen. Bis dahin wird in Foren und Social Media weiter gestritten werden, ob ein Star-Wars-Film ohne Williams-Themen Sakrileg oder längst überfälliger Schritt ist. Am Ende entscheidet aber nur eines: Ob man beim Hinausgehen nicht nur an spektakuläre Bilder, sondern auch an neue Klänge denkt, die man so noch nicht mit dieser Galaxis verbunden hatte. Wenn das gelingt, wird Starfighter mehr sein als nur ein weiterer Eintrag in der langen Liste der Star-Wars-Titel – nämlich ein echter Neuanfang.
1 kommentar
irgendwie witzig, wie sie jetzt groß mit „Emmy-Gewinner“ werben, während John Williams noch lebt und basically Gott in diesem Bereich ist 😂 aber klar, einen Star-Wars-Score zu schreiben ist für jeden Komponisten Endgegner-Level