Stario: Haven Tower bringt frischen Wind in das Genre der Aufbauspiele. Anstatt eine Stadt klassisch in die Breite zu ziehen, baut man hier Schicht für Schicht in die Höhe – mitten in einer endlosen Wüste. 
Dieses vertikale Konzept zwingt die Spieler dazu, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen und komplett neu über Logistik, Ressourcenfluss und Stadtplanung nachzudenken.
Die Geschichte spielt in einer postapokalyptischen Welt. Nach Generationen unter der Erde wagt die Menschheit den Schritt zurück an die Oberfläche. Doch statt grüner Wiesen erwartet sie eine trockene, sandige Ödnis, durchzogen von magischen Phänomenen und merkwürdigen Kreaturen. In dieser feindlichen Umgebung entsteht der erste Turm, der den Menschen Schutz bieten soll. Die unteren Ebenen sind besonders hart: Wasser ist knapp, Taukollektoren liefern kaum Ertrag, und Sandstürme erschweren das Überleben. Wer seine Basis schlecht plant, kämpft schnell mit Engpässen.
Eine der spannendsten Mechaniken in Haven Tower ist die Statik. Je weiter ein Gebäude vom Kern entfernt ist, desto instabiler wird es bei Katastrophen. Und diese Katastrophen kommen nicht überraschend – ein Countdown zeigt an, wann es so weit ist. Trotzdem bleibt die Spannung hoch, denn beschädigte Teile können abstürzen und Bewohner mitreißen. Positiv: Das Spiel bestraft nicht übermäßig. Wer schnell reagiert und Reparaturen durchführt, kann vieles retten. Dieses System motiviert zum Ausprobieren, ohne Frust zu erzeugen.
Ebenso wichtig ist die Versorgung. Wasser fließt nicht von allein nach oben. Wenn Wohnhäuser über den Sammelstellen platziert sind, sinkt die Zufriedenheit der Bewohner im Nu. Später schaltet man Transportmittel wie Heißluftballons frei oder setzt sogar Magie ein, um Ressourcen effizienter zu bewegen. Diese Entwicklungsschritte geben ein klares Gefühl von Fortschritt und halten die Motivation hoch.
Eine weitere Besonderheit sind die Turmkerne. Jede Ebene kann eine Spezialisierung erhalten: Industrie, Landwirtschaft oder andere Schwerpunkte. Diese Wahl ist endgültig und verändert das gesamte Wachstum. Dadurch wird jede Partie einzigartig, und Spieler müssen langfristig planen, anstatt nur kurzfristige Probleme zu lösen. Der Wiederspielwert steigt dadurch enorm.
Optisch überzeugt Haven Tower durch ein stimmiges Design. Die unteren Ebenen erinnern an das alte Ägypten, mit warmen Sandfarben und monumentalen Strukturen. Je höher man baut, desto fantastischer werden die Elemente. Ein Highlight war der Moment, als eine fliegende Schildkröte an meinem Turm vorbeizog – skurril, aber passend zur Mischung aus Realität und Fantasy. Kleine Figuren beleben das Ganze: Bewohner, die zwischen den Ebenen hin- und herlaufen, Arbeit verrichten und die Illusion einer funktionierenden Gesellschaft erzeugen.
Die Grafik setzt nicht auf reine Hochglanzoptik, sondern auf ein einheitliches Gesamtbild. Alles wirkt wie aus einem Guss, selbst wenn man chaotisch baut. Dieses Gefühl von Kohärenz hebt Haven Tower von vielen anderen Spielen ab, die zwar technisch detailreich sind, aber keine visuelle Einheit besitzen.
Schon jetzt, im Early Access, macht das Spiel einen ausgereiften Eindruck. Ressourcenmanagement und Kernsysteme funktionieren, und es gibt mehrere Karten zur Auswahl. Die Standardkarte ist relativ einsteigerfreundlich, während andere Szenarien härtere Herausforderungen versprechen. Da die Entwickler bereits weitere Features angekündigt haben, kann man mit Spannung auf kommende Updates blicken.
Das Besondere an Stario: Haven Tower ist, dass es bekannte Mechaniken nimmt und sie in einen neuen Kontext setzt. Vertikale Bauweise, postapokalyptische Wüste und magische Details ergeben zusammen eine Mischung, die frisch wirkt. Es ist nicht nur ein weiteres SimCity-Imitat, sondern ein eigenständiges Projekt, das seinen eigenen Charakter entwickelt. Angesichts des fairen Preises und des bereits soliden Early-Access-Stands lohnt es sich definitiv, einen Blick darauf zu werfen.
Für alle, die genug von klassischen Aufbauspielen haben, bietet Haven Tower eine spannende Alternative. Es belohnt Planung, lässt aber genug Raum für Kreativität und macht durch seinen Stil neugierig. Ein Turm im Sand, der das Genre von unten nach oben auf den Kopf stellt.