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Wie Googles Stranger-Things-Easter-Egg die Suche ins Upside Down stürzt

von ytools
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Wer dieser Tage “Stranger Things” in Google eintippt, bekommt nicht nur eine normale Trefferliste serviert. Für einen kurzen Moment wirkt es, als hätte der Suchriese selbst ein Portal nach Hawkins geöffnet.
Wie Googles Stranger-Things-Easter-Egg die Suche ins Upside Down stürzt
Pünktlich zum Finale von Staffel 5 hat Google ein neues Easter Egg versteckt, das die ohnehin schon riesige Popkultur-Welle rund um die Serie noch ein Stück höher schwappen lässt.

Der Ablauf ist simpel, aber clever. Nachdem man nach “Stranger Things” gesucht hat, erscheint am unteren Rand der Seite ein kleiner, vieleckiger Würfel – ganz im Stil der Dungeons-&-Dragons-Würfel, mit denen alles in der ersten Staffel begann. Klickt man darauf, “würfelt” Google eine Eins, also das schlechteste Ergebnis, das sich ein Rollenspieler vorstellen kann. Direkt danach schießen rote Blitze über den Bildschirm, die Seite flackert, und plötzlich steht die gesamte Suchergebnisliste Kopf. Die Google-Oberfläche kippt sinnbildlich ins Upside Down.

Technisch ist das nur ein Mini-Gimmick, aber inszeniert ist es auf dem Niveau eines Tech-Giganten: Die Animation läuft flüssig auf Desktop und Smartphone, der Effekt ist in einem Klick ausgelöst und gerade spektakulär genug, um ihn Freunden zeigen zu wollen. Viele Fans sind zufällig darauf gestoßen, während sie vor Staffel 5 noch einmal alle alten Folgen durchgebingt haben und schnell etwas zu Figuren, Schauspielerinnen oder Nebenplots nachschlagen wollten. Als Medien das Easter Egg später groß entdeckten, kommentierten etliche User trocken, dass Google für sie schon längst im Upside Down angekommen war.

Die kleine Spielerei zeigt vor allem eins: wie groß “Stranger Things” seit dem Start 2016 geworden ist. Aus einer liebevollen Hommage an Spielberg-Kinderabenteuer, Stephen-King-Grusel und Kleinstadt-Horror wurde ein globales Kulturphänomen. Wenn Google ohne zu zögern seine Kernoberfläche für eine Serie verbiegt, ist das ein Ritterschlag. Marken, Kampagnen und sogar ganze Städte schmücken sich mit Neon-Schriftzügen, Fahrrädern und Monster-Silhouetten – und im Schlussspurt zur finalen Staffel ziehen alle Register.

Inhaltlich verspricht Staffel 5 nichts weniger als den offenen Krieg um Hawkins. Die Staffel-4-Finale haben die Grenze zwischen unserer Welt und dem Upside Down buchstäblich aufgerissen, und die Trailer deuten an, dass die inzwischen älter gewordene Clique die düstere Parallelwelt nicht mehr nur streift, sondern frontal betreten muss. Es gibt keinen Reset-Knopf, keine Rückkehr in einen halbwegs normalen Schulalltag. Die Apokalypse läuft bereits, als die neue Staffel einsetzt.

Serienschöpfer Ross Duffer hat früh klargemacht, dass diese Staffel anders startet als die vorherigen. Früher bekam das Publikum zuerst eine Handvoll Szenen voller Alltagsbanalität: Klassenzimmer, Familienstress, Einkaufszentrum, Teenie-Crushes. Dann kroch langsam das Übernatürliche in die Bilder. Diesmal, so Duffer, rennt die Geschichte vom ersten Frame an. Die Figuren, die Zuschauenden – alle werden direkt in den laufenden Ausnahmezustand geschubst.

Sein Bruder Matt Duffer ergänzt, dass Hawkins inzwischen wie eine halbmilitarisierte Zone wirkt. Überwachungskameras an jeder Ecke, gesperrte Straßen, eingeschränkte Bewegungsfreiheit – das Gefühl von Normalität ist ausgelöscht. Offiziell sind viele der Protagonisten noch Schüler, aber sie leben in einer ständigen Krisenrealität. Gerade deshalb passt das Google-Easter-Egg so gut ins Gesamtbild: Selbst eine harmlose Websuche lässt sich von der Bedrohung aus dem Upside Down anstecken und kippt im wahrsten Sinne des Wortes aus der gewohnten Ordnung.

Auch Netflix inszeniert den Abschied als Event in mehreren Akten. Die fünfte Staffel wird in drei Teile aufgeteilt: Die ersten vier Folgen sind am 26. November rechtzeitig zum Thanksgiving-Wochenende gestartet – beste Binge-Zeit. Drei weitere Episoden folgen am 25. Dezember und machen den ersten Feiertag für viele Haushalte zur inoffiziellen Stranger-Things-Tradition. Das große Finale schließlich ist für den 31. Dezember geplant und läuft gleichzeitig auf Netflix und in Kinos im ganzen Land. Das Serienende wird damit wie ein Blockbuster-Farewell behandelt, nicht wie eine x-beliebige Staffelpause.

Gleichzeitig fällt es einem Teil der Fangemeinde zunehmend schwer, das alles als reines Eskapismus-Spektakel zu sehen. In den letzten Monaten haben Äußerungen und Social-Media-Posts von Darstellern wie Noah Schnapp und Brett Gelman zum Nahostkonflikt, zu Israel und Gaza, heftige Reaktionen ausgelöst. Manche Fans empfinden ihre Statements als einseitige Unterstützung der israelischen Regierung und sprechen offen von “Genozid”; andere halten diese Wortwahl für überzogen und verteidigen die Schauspieler vehement. Die Debatten wandern dorthin, wo früher nur über Monsterdesign, 80er-Soundtrack und Lieblingsfiguren diskutiert wurde – in Kommentarspalten, Subreddits und Fan-Gruppen, bis hinein in Threads, die eigentlich nur das Google-Easter-Egg feiern wollten.

Diese Reibung ist inzwischen fast unvermeidlich, sobald ein Franchise global erfolgreich wird. Je größer eine Serie ist, desto weniger lässt sie sich von Politik, Krisen und den realen Personen hinter den Rollen trennen. Ausgerechnet das scheinbar harmlose Google-Gimmick bringt diesen Widerspruch gut auf den Punkt: Eine Suchseite, die sich für eine fiktive Apokalypse ins Upside Down dreht – zu einer Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, dass die echte Welt schon längst kopfsteht. Ob man den Würfel lachend anklickt, aus Neugier, oder mit einem mulmigen Gefühl im Bauch: Klar ist, dass “Stranger Things” längst mehr ist als nur Unterhaltung. Die Serie ist zu einer gemeinsamen Sprache geworden, mit der wir über Internetkultur, Nostalgie und das merkwürdige Leben im eigenen, sehr realen Upside Down sprechen.

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