Nintendo macht ernst mit seinem Kino-Mario und zeigt keinerlei Anzeichen, die Figur wieder nur auf die Konsole zu verbannen. Nach dem enorm erfolgreichen ersten Animationsfilm in Zusammenarbeit mit Illumination hat das Unternehmen jetzt ein eigenes Super Mario Galaxy Movie Direct ausgestrahlt – eine Präsentation, die sich komplett der Fortsetzung widmet. Statt nur mit Schockankündigungen um sich zu werfen, sortiert das Direct vor allem Fakten: ein neuer Trailer, ein klareres Bild der Geschichte und zwei prominente Neuzugänge im Cast.
Zum Einstieg ruft Nintendo in Erinnerung, wo der Vorgänger geendet hat. 
Bowser ist nicht länger der gewaltige, feuerspeiende Endboss, der das Pilzkönigreich an den Rand des Untergangs gebracht hat. Durch einen Schrumpf-Pilz wurde er auf Miniaturformat reduziert und sitzt nun in einem winzigen Käfig, damit Mario und Luigi jederzeit ein Auge auf ihn haben können. Im Pilzkönigreich kehrt so etwas wie Normalität ein: Peach, Toad und die Brüder genießen den Frieden – wohlwissend, dass Ruhe in dieser Welt nie von Dauer ist.
Genau in diese fragile Idylle platzt Bowser Jr., der einzige Sohn des Koopakönigs. Für ihn steht fest: Sein gedemütigter Vater muss um jeden Preis befreit werden. Damit wird er zum eigentlichen Motor der Handlung im neuen Film. Im Direct bestätigt Nintendo, dass Bowser Jr. im englischen Original von Benny Safdie gesprochen wird – Regisseur und Schauspieler, bekannt aus Werken wie „Oppenheimer“ und „Uncut Gems“. Auf dem Papier wirkt das wie ein untypischer Griff, doch gerade das macht die Besetzung spannend. Safdie bringt eine nervöse, leicht überdrehte Energie mit, die perfekt zu einem verzogenen, aber durchaus gefährlichen Thronerben passt.
Laut Nintendos Zusammenfassung läuft der Befreiungsplan von Bowser Jr. gründlich aus dem Ruder. Was als simple Rettungsaktion beginnt, eskaliert im besten Mario-Stil zu einem Chaos, das weit über die Grenzen des Pilzkönigreichs hinausreicht. Statt nur ein Schlossgitter zu knacken, katapultieren die Ereignisse Mario und Luigi direkt hinaus ins All. Damit wird der zentrale Ansatz des Films klar: Wo der erste Teil hauptsächlich eine Tour durch ein einziges märchenhaftes Reich war, setzt Super Mario Galaxy Movie auf eine echte Galaxie-Reise – ganz im Geist der gleichnamigen Spiele.
Im Weltraum betritt schließlich eine weitere Fanliebling-Figur die Bühne: Prinzessin Rosalina. Die geheimnisvolle Hüterin der Sterne, seit Super Mario Galaxy bei vielen Spielern Kult, schafft nun den Sprung auf die große Leinwand. Verkörpert wird sie in der Originalfassung von Marvel-Star Brie Larson. Wer ihre lange Geschichte mit Nintendo kennt, dürfte wenig überrascht sein: Larson hat mehrfach öffentlich ihre Nintendo-Liebe betont, in Switch-Werbespots mitgespielt und wirkt fast wie eine natürliche Kandidatin für eine große Rolle im Mario-Universum.
Im Direct zeigt Nintendo, wie wichtig Rosalina für die Erzählung werden könnte. Mario und Luigi, irgendwo zwischen schwebenden Planeten, verrückten Schwerkraftfeldern und funkelnden Sternen verloren, brauchen einen Orientierungspunkt – und Rosalina wird genau zur solchen Figur. Vermutlich aus ihrem Observatorium heraus, flankiert von den knuffigen Lumas, führt sie die Brüder durch die Weiten des Alls. Ihre Anwesenheit deutet darauf hin, dass der Film mehr will als ein schlichtes Gut-gegen-Böse-Spektakel. Wie in den Galaxy-Spielen schwingt ein märchenhafter, manchmal überraschend melancholischer Ton mit, in dem es um Heimat, Familie und das Gefühl von Entfernung geht.
Optisch scheint Illumination entschlossen, die Messlatte noch höher zu legen. Der neue Trailer ist voll von weitläufigen Einstellungen, in denen Planeten wie bunte Murmeln im schwarzen Nichts schweben, Sternenstraßen den Himmel durchziehen und Mario sich mit einem Sprung von Miniplanet zu Miniplanet katapultiert. Beleuchtung, Materialien und Effekte wirken sichtbar feiner: Panzer glänzen, Stoffe haben Struktur, Wolken und Nebel wirken dichter. Dazu kommen wendige Kamerafahrten, die einzelne Level regelrecht in bombastische Actionsequenzen verwandeln.
Für Gaming-Fans besonders lecker ist die Bestätigung, dass das Sandreich aus Super Mario Odyssey – das Sand Kingdom – im Film auftaucht. Allein diese Info legt nahe, dass sich die Macher nicht nur auf Hinweise zu den Galaxy-Spielen beschränken wollen. Stattdessen deutet alles darauf hin, dass Super Mario Galaxy Movie zu einer Art Best-of-Reise durch die gesamte Mario-Historie wird: Odyssey-Wüsten, klassische Hügel des Pilzkönigreichs und neue Welten, die exklusiv für den Film entworfen wurden, können Seite an Seite existieren.
Die Schnittfolge im Trailer suggeriert eine enorme Vielfalt an Schauplätzen. Sonnenverbrannte Ruinen, gläsern wirkende Kristallplaneten, bonbonbunte Raumstationen und die vertrauten grünen Wiesen – der Film nutzt jeden Ortswechsel, um eine neue Stimmung aufzubauen. Für Drehbuch und Regie bedeutet das reichlich Spielraum: visuelle Gags, liebevolle Cameos im Hintergrund, kreative Einsätze ikonischer Power-ups und Szenen, in denen man als Zuschauer fast das Bedürfnis verspürt, selbst zum Controller zu greifen.
Trotz der vielen Informationen lässt Nintendo aber bewusst einige Lücken. Die größte offene Frage: Wer wird Yoshi sprechen – oder bleibt er vor allem bei seinen typischen Lauten? Der grüne Dino tauchte bereits in der Post-Credit-Szene des ersten Films auf und ist seitdem Dauerthema in Fan-Diskussionen. Das Galaxy Movie Direct geht dem Thema elegant aus dem Weg und sorgt so dafür, dass Spekulationen und Fan-Castings in den sozialen Medien weiter sprudeln. Der spätere Reveal dürfte entsprechend hohe Wellen schlagen.
Schon jetzt ist jedoch klar, wohin die Reise geht. Bowser Jr. als chaotischer Antreiber der Handlung, Benny Safdies ungewöhnliche, aber reizvolle Besetzung, Brie Larson als kosmische Prinzessin Rosalina und der konsequente Sprung von einem Königreich zu einer ganzen Galaxie geben dem Film ein klares Profil. Super Mario Galaxy Movie wirkt weniger wie ein Anhängsel zum ersten Teil und eher wie der Moment, in dem das Mario-Kinouniversum wirklich aufdreht. Gelingt es Nintendo und Illumination, die emotionale Seite der Spiele mit dem visuell beeindruckenden Weltraum-Spektakel des Trailers zu verbinden, könnte dieser Film für Mario im Kino genau das sein, was die Galaxy-Spiele einst für die Reihe auf Konsole waren: ein großer, mutiger Schritt hinaus ins Unbekannte, ohne die vertraute Seele der Serie zu verlieren.
2 kommentare
Bitte, Nintendo, gönnt uns eine emotionale Rosalina-Story wie in den Games, ich will im Kino ugly-cryen
Galaxy + Odyssey im selben Film klingt nach purem Fanservice, aber ganz ehrlich: her damit 🙌