
Supergirl: Woman of Tomorrow, Lobo und das Haus El – warum das nächste DCU-Kapitel zählt
Das nächste große Projekt der DCU ist kein Nebenpfad, sondern die Hauptstraße. Supergirl (Kinostart am 26. Juni 2026) greift Fäden auf, die Superman (2025) bewusst lose ließ, und stellt eine Frage ins Zentrum, die Fans seit Monaten beschäftigt: Was bedeutet das Haus El in dieser neuen Lesart wirklich? David Krumholtz, der Zor-El spielt, deutete an, der Film halte sich sehr eng an Tom Kings und Bilquis Evelys Supergirl: Woman of Tomorrow – und liefere zugleich das nächste Puzzleteil in der Krypton-Erzählung.
Was Superman verändert hat
James Gunn hat mit seinem Superman einen heiligen Gral gedreht und neu beschriftet. Jor-El und Lara erscheinen nicht als makellose Heilsbringer, sondern als Strategen eines Plans, der Kal-El zu einem Herrscher auf Erden machen sollte. Ob man den Mut liebt oder die Blasphemie scheut: Der Kniff macht klar, dass das Haus El kein reines Tugendabzeichen mehr ist, sondern ein diskussionswürdiges Vermächtnis. Gunn hat Spekulationen über einen späteren Rückzieher zurückgewiesen. Sprich: Dieser Grundpfeiler bleibt stehen.
Kara ist nicht Clark mit anderer Frisur
Hier betritt Kara Zor-El (Milly Alcock) die Bühne – und zwar als eigene Figur, nicht als Spiegelbild. In dieser Version wuchs sie nicht mit Kuhweiden und warmen Apfelkuchen auf, sondern verbrachte ihre Jugend auf einem abgerissenen Stück Krypton, sah Menschen sterben und lernte zu hartem Selbstschutz. Ihre Kanten sind kein Fehler; sie sind der Motor. Schon der kurze Auftritt in Superman zeichnete eine Heldin, die mehr Last als Leichtigkeit kennt.
Woman of Tomorrow liefert dafür die passende Blaupause: eine Supergirl-Geschichte als wüstes Road-Märchen, in dem eine vernarbte junge Frau sich selbst neu definiert. Im Kino mischt sich in diese Vorlage ein weiteres, lautes Element: Lobo.
Warum Woman of Tomorrow plus Lobo eine Tonansage ist
Jason Momoa als Lobo ist kein Gag für den Trailer, sondern ein Kompass. Stell eine abgebrühte Kara einem intergalaktischen Kopfgeldjäger gegenüber, der Hauswappen eher auslacht als ehrt, und du erhältst kein Staatsdrama, sondern eine widerspenstige Space-Fantasy. Gunn hat den Film bereits tonal von Superman abgegrenzt: freier, dreckiger, mit der Spontaneität eines kosmischen Roadmovies. Man darf Bars unter roten Sonnen erwarten, Entscheidungen ohne sauberes Richtig oder Falsch, und eine Heldin, die ohne gelbe-Sonne-Superladung beweisen muss, wer sie ist.
Der 21. Geburtstag, rote Sonne und die Logik dahinter
Die Prämisse klingt verspielt: Kara feiert ihren 21. und zieht mit Krypto durch die Galaxis. Hinter dem Augenzwinkern steckt Weltenbau. Unter rotem Sonnenlicht fallen kryptonische Kräfte ab – und mit ihnen die emotionale Rüstung. Es geht weniger um irdische Jugendschutzparagrafen als um ein erzählerisches Werkzeug: In diesen Momenten kann der Film zu Kara vordringen, ohne dass Kräfte jede Konfrontation beenden. Der Geburtstag markiert nicht die Party, sondern die Selbstbestimmung.
Das Haus El, erklärt – nicht reingewaschen
Krumholtz’ Andeutung, der Film kläre das Haus El weiter auf, sollte man wörtlich nehmen. Klärung ist nicht Absolution. Supergirl hat die Chance, Krypton als Gesellschaft zu skizzieren: Politik, Eliten, Rettungspläne, Fehleinschätzungen. Kara ist dafür der beste Blickwinkel, weil sie darin aufgewachsen ist. Kal steht für die Hoffnung, die Krypton in die Sterne schicken wollte; Kara steht für die Wahrheit, die Krypton über sich oft verschwieg. Aus dieser Reibung entsteht, wie sie das Symbol trägt – und was sie davon abstreift.
Krypto als Thema, nicht nur Maskottchen
Klar, der Hund wird Herzen gewinnen. Doch Krypto ist mehr als Merch. In einer Geschichte über Vertrauen und Erbe ist ein Gefährte, der Charakter hinter Emblemen erkennt, eine moralische Stimmgabel. Er darf Situationen entgiften, wenn Mythologie zu schwer wird, und Karas Impulssteuerung justieren. Und wer weiß – vielleicht kratzt selbst Lobo kurz am Helm, wenn der gute Junge ihn ansieht.
Lobo als Gegenmythos
Lobo ist der Anti-Crest. Keine Häuser, keine Ahnentafeln, keine Gelöbnisse – nur er und sein Kodex, der meist mit einem Grinsen endet. Diese Reibfläche zwingt Kara, ihr Verhältnis zum Haus El zu definieren: Was lehnt sie ab? Was rettet sie? Was baut sie neu? Wenn Superman fragte, ob man Schicksal im Labor programmieren kann, fragt Supergirl, ob man es auf einer staubigen Außenwelt wählen kann, während niemand hinsieht.
Werktreue ohne Starrsinn
„Sehr nah am Graphic Novel“ heißt nicht „Panel für Panel“. Kings Vorlage ist schlank, rau, poetisch – voller Sand zwischen den Zähnen. Kino verlangt andere Ergonomie. Die Adaption muss den Geist bewahren und gleichzeitig mit der DCU sprechen: mit der Diskussion um das Haus El, dem Nachhall von Superman und einem Fahrplan, der auch Clayface, Lanterns und später Man of Tomorrow umfasst. Lobo ist das verräterische Detail: Treue im Ton, neue Zahnräder in der Maschine.
Vernetzung ohne Hausaufgaben
Wird David Corenswets Superman auftauchen? Möglich. Aber Cameos sind Dessert, nicht Hauptgang. Die Aufgabe von Supergirl ist es, alleine zu tragen und zugleich anzudeuten, dass nebenan eine Welt atmet. Im Idealfall erkennt das Publikum die Reime, ohne ein Wiki zu brauchen.
Die Debatten: Besetzung, Dünnheits-Vorwurf, angeblicher Rückzieher
- Niemand hat Supergirl verlangt. Franchise-Gesundheit misst sich nicht nur an Umfragen, sondern an Perspektivenvielfalt. Kara bietet einen Innenblick auf Krypton – plus Raumstaub und Faustrecht.
- Der Plot wirke dünn. Woman of Tomorrow ist minimalistisch aus Prinzip. Minimalismus ist kein Vakuum. Mit Lobo und der ethischen Hypothek des Hauses El entsteht Schub – und Stoff zum Nachdenken.
- Die Schauspielerin passe nicht. Skepsis gehört zum Ritual. Alcock vereint Zerbrechlichkeit und Trotz – genau die Mischung, aus der Karas Haltung entsteht.
- Man werde den Jor-El/Lara-Twist zurücknehmen. Wenn jede Wette rückgängig gemacht wird, schrumpft Drama zur Fußnote. Spannender ist, Kara das Paradigma im Feld testen zu lassen.
- Die 21-und-Alkohol-Logik. Es geht nicht um Jugendschutzrecht, sondern um Charaktermechanik. Rotes Licht nimmt Kräfte – und Ausreden.
Worauf es am Ende ankommt
Nach dem Abspann zählt weniger, ob Kara Clark ähnelt. Entscheidend ist, was das Haus El bedeutet, wenn eine Trägerin erst überlebt und dann wählt. Erwartet eine These, die Kryptons Hybris widerspricht, dessen beste Wissenschaft würdigt und Mitgefühl als Entscheidung, nicht als Erbe, begreift. War Superman der Funke, könnte Supergirl das kontrolliert unkontrollierbare Feuer sein: laut, leuchtend, riskant – und genau deshalb lebendig.
Bis dahin lohnt der Blick in Woman of Tomorrow, ein offenes Ohr für Momoa als Lobo-Szene-Dieb und die Beobachtung, wie Lanterns und Clayface das Straßenstaub-Gefühl von Supergirl kontrastieren. Das Haus El bekommt ein Audit – durchgeführt von seiner unbequemsten Prüferin, begleitet von einem Hund und beschattet von einem Kopfgeldjäger.
2 kommentare
Krypto darf kein Plüschtier sein. Gebt dem guten Boi einen Moment 🐶
Dieser Jor-El-Twist schmeckt mir noch immer nicht… erklärt’s gut, aber bitte kein Rückzieher