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Superman Nr. 1 aus Dachbodenfund wird zum teuersten Comic der Geschichte

von ytools
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Superman Nr. 1 aus Dachbodenfund wird zum teuersten Comic der Geschichte

Superman Nr. 1 aus dem Dachboden wird zum teuersten Comic aller Zeiten

Viele Sammlerträume beginnen mit derselben Szene: Jemand steigt in einen staubigen Dachboden, um alte Kisten zu entrümpeln – und findet etwas, von dem niemand mehr wusste. Genau so ist es drei Brüdern in Nordkalifornien ergangen. Beim Ausräumen des Hauses ihrer verstorbenen Mutter stießen sie auf eine unscheinbare, schon leicht eingedrückte Pappschachtel voller vergilbter Zeitungen. Zwischen den bröseligen Seiten steckte ein einzelnes Heft: Superman Nr. 1 aus dem Jahr 1939. Wenige Monate später ging genau dieses Heft bei Heritage Auctions für 9,12 Millionen Dollar über den Tisch und schrieb als teuerster Comic, der je verkauft wurde, Auktionsgeschichte.

Für die Comicwelt ist Superman Nr. 1 kein beliebiges Vintage-Heft, sondern ein Eckstein der Popkultur. Zusammen mit Action Comics Nr. 1 und Detective Comics Nr. 27 bildet es die legendäre grosse Drei des Golden Age. Action Comics stellte Superman erstmals vor, doch Superman Nr. 1 war der Moment, in dem ein Comicfigur aus einer Anthologie herauswuchs und eine eigene Serie erhielt – ein komplettes Heft nur für den Mann aus Stahl. 1939 war das ein klares Signal: Diese Figur war längst mehr als ein kurzfristiger Trend am Kiosk, sie war ein Phänomen, das die Vorstellungskraft einer ganzen Generation eroberte.

Damals wirkten die Auflagen gigantisch. Zum Start wurden rund 500.000 Exemplare gedruckt, später folgten zwei weitere Runs mit 250.000 und 150.000 Heften. Aus heutiger Sammlersicht klingt das nach Massenware, doch man darf nicht vergessen, wie sorglos mit Comics umgegangen wurde. Kinder steckten sie in die Hosentasche, tauschten sie in der Pause, vergaßen sie in der Strassenbahn, ließen sie im Regen liegen oder warfen sie einfach weg, wenn die neuesten Abenteuer erschienen. Im Fall von Superman Nr. 1 kam noch eine Besonderheit dazu: Die Leser wurden ausdrücklich ermuntert, die Titelseite herauszutrennen und als Poster an die Wand zu hängen. Was die Verlage damals als Marketing-Gag sahen, macht gut erhaltene Exemplare heute extrem selten.

Genau hier sticht der Dachbodenfund hervor. Trotz Jahrzehnten in einer simplen Schachtel, nur von einer Schicht alter Zeitungen umgeben, wurde das Heft von der unabhängigen Grading-Firma CGC begutachtet und mit der Note 9,0 auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet. Für ein Heft aus Vorkriegszeiten entspricht das praktisch einem Zustand fast wie frisch aus dem Laden. Auf Fotos ist zwar eine leicht bräunliche Verfärbung in der oberen Ecke der Vorderseite zu sehen, was viele Fans zu der Frage veranlasst hat, wie ein Comic mit einem sichtbaren Fleck eine 9,0 erreichen kann. Doch CGC bewertet nicht ein einzelnes Detail, sondern das Gesamtbild: Farbbrillanz, Schärfe des Drucks, Stabilität des Rückens und die Qualität der Innenseiten. In nahezu allen Disziplinen präsentiert sich dieses Exemplar in einem Zustand, der unter hochbetagten Heften fast nie vorkommt.

Wie aussergewöhnlich diese Bewertung ist, zeigt ein Blick in die Statistik. Weltweit sind lediglich sieben Exemplare von Superman Nr. 1 bekannt, die bei CGC eine 6,0 oder höher erhalten haben. Der Dachboden-Comic mit seinen 9,0 bildet nun die Spitze dieser winzigen Pyramide und übertrifft sogar berühmte Pedigree-Stücke aus Sammlungen wie Mile High oder Davis Crippen, die ansonsten als Referenzklasse gelten. Heritage Auctions betont, dass das Haus in seiner gesamten Unternehmensgeschichte weniger als hundert Exemplare dieses Heftes überhaupt verkauft hat – ganz gleich, welche Note oder ob restauriert oder nicht. Wer einmal live einen Superman Nr. 1 in der Hand hält, gehört damit schon zu einer verschwindend kleinen Minderheit. Einen in diesem Zustand zu sehen, ist ein Glücksfall auf Lebenszeit.

Der erzielte Preis spiegelt diese Einzigartigkeit wider. Die 9,12 Millionen Dollar pulverisierten den bisherigen Rekord für einen Comic, der erst 2024 aufgestellt wurde: Damals brachte ein Action Comics Nr. 1 mit CGC-Note 8,5 über die gleiche Auktionsplattform 6 Millionen Dollar ein. Bereits das galt vielen Beobachtern als neue Schallmauer. Der Verkauf von Superman Nr. 1 zeigt nun, dass der Markt für absolute Spitzenstücke noch deutlich mehr Luft nach oben hat. Hochkarätige Comics sind endgültig in der Liga angekommen, in der sonst Gemälde alter Meister, ikonische Filmplakate oder signierte Erstausgaben von Literaturklassikern gehandelt werden.

Hinter den Zahlen verbirgt sich jedoch auch eine sehr persönliche Familiengeschichte. Den Brüdern zufolge kaufte ihre Mutter das Heft als neunjähriges Mädchen in San Francisco, als Superman noch ein junges, aufregendes Konzept war. Im Laufe ihres Lebens erwähnte sie immer wieder nebenbei, sie habe irgendwo noch rare Comics rumliegen, doch niemand konnte je genau sagen, wo. Erst nach ihrem Tod, als die Söhne jedes Regal, jede Kiste und jeden Karton durchgingen, stießen sie auf die unscheinbare Box mit den alten Zeitungen. Im Zwischenraum der Papierstapel lag der Comic, den ihre Mutter einst für ein paar Cent mit nach Hause genommen hatte – und der sich Jahrzehnte später als Vermögenswert entpuppte, der das finanzielle Fundament der nächsten Generationen verändern kann.

Die Geschichte hat eine Diskussion neu entfacht, die unter Sammlern immer wieder aufploppt: Darf man einen so seltenen Comic überhaupt noch «normal» lesen, oder ist er längst nur noch ein Wertpapier im Pappumschlag. Viele Fans scherzen halb ernst, halb verzweifelt, dass sie ihre besten Hefte gar nicht mehr aufschlagen, sondern sie nur noch in ihren Hüllen oder in der Plexiglas-Kapsel ansehen. Jede kleine Knickspur, jeder Fingerabdruck oder Fleck erscheint vor dem inneren Auge sofort als sinkender Marktwert. Aus dem spontanen Lesegenuss, bei dem man ein Heft abends auf dem Sofa durchblättert, ist ein vorsichtiger Umgang mit empfindlicher Anlageklasse geworden.

Ironischerweise ist es genau dieses unbekümmerte Lesen vergangener Jahrzehnte, das ein Exemplar wie dieses heute so wertvoll macht. Die meisten originalen Superman-Nr.-1-Hefte, die überlebt haben, erzählen ihre eigene Geschichte: gerissene Rücken, mit Klebeband geflickte Kanten, lose Seiten, Kinderkritzeleien, Wasserflecken oder sogar Zeitungsausschnitte, die hineingeklebt wurden. Das kalifornische Exemplar scheint ein komplett anderes Leben geführt zu haben. Statt in Schulranzen und Kinderzimmern zu zirkulieren, verschwand es früh in einer Kiste und wurde jahrzehntelang weder gelesen noch ausgestellt. Als es wieder ans Licht kam, wirkte es fast wie eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1939 – mit knalligem Rot und Gelb auf dem Cover, sauberer Linienführung und überraschend frischen Seiten.

Für Heritage-Mitgründer Jim Halperin ist der Verkauf ein weiterer Beleg dafür, dass das Sammeln von Popkultur in einer neuen Phase angekommen ist. Top-Comics werden nicht mehr nur als Nerd-Nostalgie belächelt, sondern als relevante Kulturgüter ernst genommen. In puncto Historie, Seltenheit und globaler Nachfrage stehen sie längst in einer Reihe mit bedeutenden Filmrequisiten, frühen Animationscels oder ersten Buchausgaben grosser Autoren. Für vermögende Sammler, Stiftungen und sogar spezielle Investmentvehikel ist ein Superman Nr. 1 in diesem Zustand kein spontaner Luxus, sondern ein Baustein einer gezielt aufgebauten Kultur- und Sachwertstrategie.

Ob man nun Anleger, Hardcore-Comicfan oder einfach jemand ist, der als Kind die Hefte vom Kiosk verschlungen hat: An dieser Rekordsumme kommt keiner vorbei. Ein Held, der vor fast neunzig Jahren erdacht wurde, bewegt im 21. Jahrhundert immer noch Fantasie und Kontostände. Irgendwann Ende der Dreissiger hat ein neunjähriges Mädchen in San Francisco dieses Heft aufgeschlagen, um zu sehen, wie Superman wieder einmal die Welt rettet. Jahrzehnte später vollführt derselbe Comic einen ganz anderen Sprung: vom dunklen Dachboden in eine abgeschlossene Vitrine einer High-End-Sammlung – getragen von einem Gebot über 9,12 Millionen Dollar, das die Brücke schlägt zwischen Groschenheft für Kleingeld und global beachteter Auktionssensationen.

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1 kommentar

SigmaGeek January 14, 2026 - 11:50 pm

Die Story ist mega, aber ein bisschen traurig ist es schon, dass dieses Heft wahrscheinlich nie wieder ohne Plastik-Sarg zu sehen sein wird, nur noch auf Fotos und hinter Glas, Lesen ausgeschlossen 😭

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