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Kommt der microSD-Slot wegen steigender DRAM-Preise ins Smartphone zurück?

von ytools
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Kommt der microSD-Slot wegen steigender DRAM-Preise ins Smartphone zurück?

Wenn Speicher teuer wird: Warum der microSD-Slot plötzlich wieder interessant ist

Noch vor ein paar Jahren galt der microSD-Kartenslot bei vielen Smartphones als selbstverständliches Ausstattungsmerkmal. Wer mehr Platz für Fotos, Downloads, Offline-Spotify-Playlists oder Games brauchte, steckte einfach eine günstige Speicherkarte ein – fertig. Keine teuren Speicherstufen, kein Zwang zum Topmodell. Dann begann eine stille, aber konsequente Kehrtwende: Ein Hersteller nach dem anderen strich den Slot mit Verweis auf wasserdichte Gehäuse, schlankere Designs und mehr Geschwindigkeit. Praktischer Nebeneffekt für die Branche: Wer mehr Speicher wollte, musste deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Genau dieses Geschäftsmodell gerät nun unter Druck. Die Preise für DRAM, also Speicherchips für RAM und internen Flash, steigen spürbar. Je teurer die Bauteile werden, desto schwieriger ist es für Hersteller, große Speichermengen zu verbauen, ohne die Verkaufspreise stark anzuheben oder die eigene Marge zu opfern. Und plötzlich geistert ein alter Bekannter durch die Korridore der Entwicklungsabteilungen: der microSD-Slot.

Gerüchte aus China: Zulieferer reden vom Comeback

Frischen Zündstoff liefert ein bekannter Leaker auf der chinesischen Plattform Weibo, der unter dem Namen Repeater 002 unterwegs ist. Er berichtet von Gesprächen mit Zulieferern, laut denen mehrere Smartphone-Hersteller ernsthaft darüber nachdenken, den microSD-Slot in künftigen Geräten wieder einzuplanen. Konkrete Markennamen nennt er nicht, aber schon die Tatsache, dass das Thema auf Ebene der Komponenten-Lieferkette diskutiert wird, ist bemerkenswert. In dieser Phase geht es nicht um Nostalgie, sondern um knallharte Kalkulation: Wie viel Speicher können wir uns noch leisten, ohne dass der UVP explodiert?

Solche Gespräche finden in einem sehr frühen Stadium statt. Bevor Renderbilder und Spezifikations-Leaks durchs Netz wandern, werden im Hintergrund Szenarien durchgespielt: Wie viel RAM? Wie viel interner Speicher? Welche Zielpreise in welchen Märkten? Steigen die Speicherpreise, rutscht eine Option wie “erweiterbarer Speicher” automatisch wieder auf die Shortlist.

Teure DRAM-Chips: Warum jeder Gigabyte zum Problem wird

Im Zentrum der aktuellen Schieflage steht der DRAM-Markt. Analysten rechnen damit, dass die Knappheit noch bis mindestens ins vierte Quartal 2027 andauern könnte. Desktop- und Notebook-RAM ist bereits deutlich teurer geworden, und die gleichen Trends treffen auch LPDDR-Chips, wie sie in Smartphones stecken. Hersteller wie Micron ziehen sich aus weniger profitablen Consumer-Segmenten zurück und konzentrieren sich auf lukrativere Bereiche wie Rechenzentren oder KI-Workloads.

Auch bei Samsung zeigt sich, wie hart intern um Speicher gerungen wird. Aus Branchenkreisen heißt es, die Speicher-Sparte Device Solutions habe einen simplen Lieferwunsch der eigenen Mobile-Experience-Abteilung abgelehnt und stattdessen auf vierteljährliche Verträge bestanden, die regelmäßig neu verhandelt werden können. Der Grund liegt auf der Hand: Ein 12-GB-LPDDR5X-Paket, das zu Jahresbeginn grob bei 33 US-Dollar lag, soll inzwischen um die 70 US-Dollar kosten. Ein mehr als doppelt so hoher Preis verwandelt jede zusätzliche Speichereinheit im Datenblatt in eine unangenehme Kostenfrage.

Was das für Smartphone-Preise und Speichervarianten bedeutet

Steigen die Kosten für zentrale Komponenten, haben Hersteller traditionell drei Hebel. Sie können einen Teil der Mehrkosten schlucken und weniger Gewinn akzeptieren. Sie können den Verkaufspreis der Geräte anheben. Oder sie sparen an der Ausstattung, vor allem bei RAM und Speicher, und versuchen, das mit Marketing zu kaschieren. In der Realität passiert meist alles gleichzeitig: Ein bisschen teurer, ein bisschen weniger Speicher, ein bisschen mehr Werbefloskeln.

Für Käuferinnen und Käufer ist das frustrierend. Kameras werden besser, Videos wandern in 4K oder 8K, Games belegen mehrere Dutzend Gigabyte – aber viele Modelle kleben weiterhin bei 128 oder 256 GB. Wer mehr Platz will, landet schnell in einer teuren Speicherstufe. In manchen Ökosystemen kostet der Sprung von 256 auf 512 GB gerne mal um die 200 Euro Aufpreis. Ohne microSD-Slot gibt es keine Alternative: Entweder man zahlt, oder man lebt dauerhaft am Limit und räumt ständig die Galerie auf.

microSD Express: Der alte Slot bekommt moderne Technik

Die klassische Gegenargumentation gegen microSD lautete immer: “Zu langsam für Apps und High-End-Features.” Und ja, einfache microSD-Karten hängen internem UFS-Speicher oft deutlich hinterher. Doch mit dem Standard microSD Express dreht sich das Bild. Hier kommen PCIe- und NVMe-Techniken zum Einsatz, die Karten mit Transferraten in SSD-Nähe ermöglichen – vorausgesetzt, Smartphone und Karte unterstützen den Standard.

Ein Beispiel ist die Samsung P9 Express microSD Express mit 512 GB, die mit bis zu 800 MB/s beworben wird. Preislich liegt sie ungefähr bei 75 US-Dollar. Setzt man das in Relation zu dem, was man für ein Speicher-Upgrade beim Smartphone-Hersteller bezahlt, wirkt die Karte fast schon wie ein Schnäppchen. Statt mehrere Hundert Euro Aufpreis für eine höhere Speicherkonfiguration zu zahlen, lässt sich ein großer Teil dieser Kapazität als externer, aber sehr schneller Speicher nachrüsten.

Interessant ist auch der Nachhaltigkeitsaspekt: Eine hochwertige microSD-Express-Karte überlebt in der Regel mehrere Gerätegenerationen. Wer das Smartphone wechselt, kann die Karte einfach mitnehmen. Interner Speicher hingegen ist fest verlötet – bezahlt, benutzt und beim nächsten Gerät erneut fällig.

Warum Hersteller mit dem microSD-Slot wieder spielen könnten

Die Rückkehr des microSD-Slots würde die DRAM-Krise zwar nicht lösen, aber sie würde den Spielraum bei der Produktgestaltung deutlich erweitern. Hersteller könnten das Grundmodell eines Smartphones mit moderatem Speicher ausstatten, den Einstiegspreis attraktiv halten und gleichzeitig offensiv mit der Unterstützung schneller microSD-Express-Karten werben. Wer mit 128 GB auskommt, spart Geld. Wer mehr braucht, ergänzt später eine Karte – flexibel, je nach Bedarf und Budget.

Geschäftlich ist das clever: Die Gewinnspanne beim Gerät bleibt geschützt, während ein Teil des Upsell-Potenzials auf Zubehör und Speicherkarten verlagert wird. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet es mehr Kontrolle über die eigene Hardware. Statt alle zwei Jahre ein neues Gerät zu kaufen, weil die Speicherkapazität nicht mehr reicht, kann man die Lebensdauer des Smartphones durch ein einfaches Speicher-Upgrade verlängern. In Zeiten, in denen Unternehmen gerne mit Klimazielen und weniger Elektroschrott werben, passt das erstaunlich gut ins eigene Narrativ.

Warum das Comeback trotzdem Zeit braucht

So logisch das alles klingt: Über Nacht wird der microSD-Slot nicht zurückkehren. Smartphones werden lange im Voraus entwickelt. PCB-Layout, Antennendesign, Störsicherheit, Abdichtung gegen Wasser, mechanische Stabilität – all das wird Monate bis Jahre geplant und durchgetestet, bevor die Massenfertigung startet. Viele Geräte, die 2025 und Anfang 2026 auf den Markt kommen, sind im Grunde fertig konstruiert.

Einen Slot nachträglich einzubauen ist keine Kleinigkeit. Er benötigt Platz im Gehäuse, eine Anpassung der Platine, eine überarbeitete SIM-/microSD-Schublade, neue Dichtungen und zusätzliche Testreihen. Deshalb ist es plausibel, dass die ersten größeren Wellen an Smartphones mit neu aufgelegtem microSD-Slot frühestens in der zweiten Hälfte 2026 sichtbar werden. Vermutlich zunächst in bestimmten Modellreihen oder Preisbereichen, um zu testen, wie der Markt reagiert.

Alle profitieren? Ein vorsichtiger Ausblick

Ironischerweise könnte ausgerechnet die teure DRAM die Funktion zurückbringen, deren Wegfall viele Nutzer:innen seit Jahren kritisieren. Wenn jeder zusätzliche Gigabyte interner Speicher weh tut, verwandelt sich der microSD-Slot vom angeblichen Relikt zum pragmatischen Problemlöser. In Kombination mit modernen microSD-Express-Karten wie der Samsung P9 Express mit 512 GB Kapazität bietet er ein Paket, das für beide Seiten attraktiv ist: solide Performance und viel Platz für die Nutzer, besser kalkulierbare Stückkosten für die Hersteller.

Klar ist aber auch: Nicht alle Marken werden sich gleichzeitig und im gleichen Maße bewegen. Manche werden weiterhin auf ein möglichst cleanes, geschlossenes Design ohne Erweiterung setzen und lieber in Cloud-Dienste investieren. Andere könnten den Slot als Differenzierungsmerkmal nutzen – etwa in Märkten, in denen ein paar Gigabyte mehr oder weniger kaufentscheidend sind. Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Zum ersten Mal seit Langem steht der microSD-Slot nicht nur als Wunsch der Community im Raum, sondern als ernstzunehmende Option im Excel-Sheet der Controller. Und genau das könnte am Ende den Ausschlag geben.

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1 kommentar

Guru January 19, 2026 - 3:21 pm

Erst alles wegnehmen und Speicherstufen teuer verkaufen, und jetzt merken sie, dass Speicherchips zu teuer werden… Karma lässt grüßen

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