Die große Preisgala der Spielebranche steht wieder vor der Tür: Am 11. 
Dezember 2025 steigen The Game Awards, und die komplette Liste der Nominierten sorgt schon jetzt für hitzige Diskussionen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Name, den man kaum übersehen kann: Clair Obscur: Expedition 33. Das Rollenspiel geht mit ganzen 12 Nominierungen ins Rennen und setzt sich damit deutlich von allen anderen Titeln ab – ein klares Signal, dass 2025 ganz im Zeichen dieses ungewöhnlichen Projekts stehen könnte.
Normalerweise verteilen sich die Nominierungen einigermaßen gleichmäßig auf mehrere Favoriten. Oft liegen drei oder vier große Spiele nur um eine oder zwei Kategorien auseinander. In diesem Jahr ist das anders. Clair Obscur thront allein an der Spitze. Selbst wenn man die drei Nominierungen für die Schauspielerinnen und Schauspieler abzieht, bleibt das Spiel vor der Konkurrenz. Dahinter folgen Death Stranding 2: On the Beach und Ghost of Yotei mit jeweils sieben Nennungen. Hades 2 bringt es auf sechs, Hollow Knight Silksong auf fünf und Split Fiction auf vier. Auffällig ist auch, dass Kingdom Come: Deliverance 2 zwar in der Königskategorie Game of the Year vertreten ist, insgesamt aber nur drei Nominierungen vorweisen kann. Ähnlich kurios wirkt Donkey Kong Bananza, das es als bunte Familien-Alternative ebenfalls in die GOTY-Liste geschafft hat, sonst aber nur noch in der Kategorie Best Family Game auftaucht.
Genau diese Schieflage befeuert die Debatten in Foren und Kommentarspalten. Einerseits wirkt es logisch, dass ein Spiel, das bei Kritikern so gut ankommt, gleich in mehreren Bereichen vorne mitspielt. Andererseits entsteht der Eindruck, dass sich Jury und Öffentlichkeit wieder einmal auf einen kleinen, sehr lauten Kern von Prestige-Titeln eingeschossen haben. Viele Spielerinnen und Spieler stören sich daran, dass immer wieder dieselben fünf oder sechs Namen fallen, egal ob es um Kunst, Musik, Story oder Ton geht. Die Frage, die dahinter steht: Wie viele spannende Titel sind 2025 einfach durch das Raster gefallen, weil der Fokus so stark auf einem engen Favoritenfeld lag?
Der Game of the Year-Kandidatenkreis steht trotzdem für ein durchaus repräsentatives Bild des AAA-Jahres. Zur Auswahl stehen Clair Obscur: Expedition 33, Hollow Knight Silksong, Kingdom Come: Deliverance 2, Death Stranding 2: On the Beach, Donkey Kong Bananza und Hades 2. Damit vereint die Liste einen Mischung aus frischem, stilisiertem RPG, kultigem Metroidvania, historischem Nischen-Rollenspiel, experimenteller Kojima-Erzählung, familienfreundlicher Nintendo-Schule und Rogue-like-Fortsetzung. Mutig ist diese Auswahl vielleicht nicht, aber sie zeigt ziemlich genau, welche Art von Produktionen 2025 den Ton angibt: lange Singleplayer-Erlebnisse mit viel Story, anspruchsvollem Kampfsystem und häufig vertrauten Marken im Titel.
Clair Obscur überall – von Performance bis Regie
Wie stark Clair Obscur die Liste dominiert, sieht man vor allem in den Prestige-Kategorien. In Best Performance sind gleich drei Rollen aus Expedition 33 nominiert: Ben Starr, Charlie Cox und Jennifer English. Dazu kommen Erika Ishii für Ghost of Yotei, Konatsu Kato für Silent Hill f und Troy Baker für Indiana Jones and the Great Circle. Das Feld spiegelt ganz gut wider, wie sehr Games heute von prominenten Schauspielern, aber auch von etablierten Voice-Actors leben, die den Figuren immer häufiger Gesichter und nicht nur Stimmen leihen.
In Best Art Direction trifft man auf das inzwischen vertraute Quintett: Clair Obscur: Expedition 33, Death Stranding 2: On the Beach, Ghost of Yotei, Hades 2 und Hollow Knight Silksong. Stilistisch könnten diese Spiele kaum unterschiedlicher sein – von surrealer Postapokalypse über japanisch inspirierte Mystik bis zum handgezeichneten Hollow-Nest. Trotzdem zeigt sich hier derselbe Trend: Die Jury konzentriert sich auf einen engen Kreis, den viele Fans schon in den Vorschlägen der Fachpresse erkannt hatten.
Ähnlich sieht es beim Sound aus. In Best Score and Music treten Christopher Larkin (Hollow Knight Silksong), Darren Korb (Hades 2), Lorien Testard (Clair Obscur: Expedition 33), Toma Otowa (Ghost of Yotei) sowie Woodkid und Ludvig Forssell (Death Stranding 2: On the Beach) gegeneinander an. Das sind Namen, die längst ihren festen Platz im Soundtrack-Olymp der Gaming-Szene haben. Für Spielerinnen und Spieler ist es fast schon ein eigenes Highlight, mitzuerleben, welcher Score später im Jahr auf Dauerschleife in den Playlisten landet.
Auch Best Audio Design und Best Narrative sind fest in der Hand desselben Kerns. Beim Ton treffen Battlefield 6, Clair Obscur, Death Stranding 2, Ghost of Yotei und Silent Hill f aufeinander. Beim Storytelling kommen zu Clair Obscur und Death Stranding 2 erneut Ghost of Yotei hinzu, ergänzt durch Kingdom Come: Deliverance 2 und Silent Hill f. Für Kritiker ist das ein Beleg dafür, dass die Topproduktionen 2025 technisch und erzählerisch extrem hohes Niveau erreichen. Für Skeptiker ist es ein weiterer Hinweis darauf, dass zu wenig Raum für Überraschungen bleibt.
Wenn Preisverleihung und Marketingkampagne verschmelzen
Ein wiederkehrendes Thema bei The Game Awards ist die Frage, wo genau die Grenze zwischen künstlerischer Auszeichnung und geschicktem Timing verläuft. 2025 liefern zwei Beispiele neuen Stoff für diese Diskussion. Da ist zum einen Marvel’s Deadpool VR, das es in die Kategorie Best VR/AR Game geschafft hat, obwohl es offiziell erst am 18. November erscheint – also kurz nach Bekanntgabe der Nominierungen. Zum anderen sichert sich die episodische Serie Dispatch nur wenige Tage nach Veröffentlichung der finalen achten Episode (am 12. November) einen Platz bei Best Debut Indie Game.
Natürlich ist das vollkommen regelkonform, aber es zeigt, wie attraktiv das Scheinwerferlicht von The Game Awards geworden ist. Wer es schafft, Release und Nominierung eng aufeinander abzustimmen, bekommt eine Aufmerksamkeit, die keine klassische Werbekampagne ersetzen kann. Für Zuschauer bleibt dabei ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits ist es spannend, ganz frische Projekte direkt im Rampenlicht zu sehen, andererseits wirkt die Show dadurch noch stärker wie ein Mix aus Preisverleihung und Werbeblock.
Langzeitspiele, Communities und soziale Themen
Abseits der großen Einzelspiele legen die Kategorien für Live-Games offen, wer aktuell am besten mit einer dauerhaft aktiven Community umgeht. In Best Ongoing Game treten Final Fantasy XIV: Dawntrail, Fortnite, Helldivers 2, Marvel Rivals und No Man’s Sky an. Alles Titel, die längst über ihren ursprünglichen Launch hinausgewachsen sind und sich zu Plattformen entwickelt haben, die mit Events, Seasons und Content-Updates um Aufmerksamkeit kämpfen.
Best Community Support legt den Fokus noch stärker auf Kommunikation und Pflege. Hier taucht Baldur’s Gate 3 neben Final Fantasy XIV: Dawntrail, Fortnite, Helldivers 2 und No Man’s Sky auf. Gerade diese Kategorien sind vielen Spielerinnen und Spielern wichtig, weil sie abseits von Grafik und Hype zeigen, ob ein Studio bereit ist, wirklich langfristig an seinem Spiel zu arbeiten – oder ob nach dem Release schnell die nächste Marke ansteht.
Eine ganz andere Tonlage schlägt Games for Impact an. Mit Consume Me, Despelote, Lost Records: Bloom and Rage, South of Midnight und Wanderstop stehen hier Titel im Mittelpunkt, die sich mehr für persönliche Geschichten, soziale Themen und emotionale Entscheidungen interessieren als für Kills pro Minute. Es ist inzwischen fast Tradition, dass diese Kategorie für leise, aber intensive Erlebnisse reserviert ist, die sonst Gefahr laufen würden, im Bombast der großen Blockbuster unterzugehen.
Indie oder doch schon AA? Die verschwommene Grenze
Auf der Indie-Seite zeigt sich, wie stark sich der Begriff in den letzten Jahren gedehnt hat. In Best Independent Game finden sich Absolum, Ball X Pit, Blue Prince, Clair Obscur: Expedition 33, Hades 2 und Hollow Knight Silksong. Auf dem Papier sind viele dieser Spiele unabhängig, in der Realität stehen dahinter aber oft Publisher mit ordentlich Marketingpower oder Budgets, von denen klassische Mikro-Studios nur träumen können.
Das macht die Kategorie nicht weniger spannend, sorgt aber jedes Jahr für Diskussionen: Welche Rolle spielt noch das Produktionsvolumen, wenn bei den Indies Projekte auftauchen, die in Qualität, Umfang und Sichtbarkeit längst auf AA-Niveau angekommen sind? Etwas klarer ist das Bild bei Best Debut Indie Game, wo Blue Prince, Clair Obscur, Despelote, Dispatch und Megabonk antreten. Hier steht der erste große Auftritt neuer Teams im Mittelpunkt – samt all der Risiko- und „alles oder nichts“-Mentalität, die man mit Debüts verbindet.
Multiplayer, Sofa-Action und Strategie-Fans
Für Multiplayer-Fans bietet die 2025er-Ausgabe von The Game Awards ein breites Spektrum. In Best Multiplayer kämpfen ARC Raiders, Battlefield 6, Elden Ring Nightreign, Peak und Split Fiction um die Krone – von großen Koop-Schlachten bis hin zu experimentelleren Konzepten. In Best Action/Adventure treffen Death Stranding 2: On the Beach, Ghost of Yotei, Hollow Knight Silksong, Indiana Jones and the Great Circle und Split Fiction aufeinander.
Rollenspiel-Fans schauen vor allem auf die Kategorie Best Role-Playing Game, in der Avowed, Clair Obscur: Expedition 33, Kingdom Come: Deliverance 2, Monster Hunter Wilds und The Outer Worlds 2 gegeneinander antreten. Die Fighting-Game-Szene bekommt in Best Fighting Game eine Mischung aus Retro-Gefühl und neuen Spin-offs mit 2XKO, Capcom Fighting Collection 2, Fatal Fury: City of the Wolves, Mortal Kombat Legacy Kollection und Virtua Fighter 5 REVO World Stage.
In Best Action Game geben Battlefield 6, DOOM: The Dark Ages, Hades 2, Ninja Gaiden 4 und Shinobi: Art of Vengence den Ton an. Wer es lieber familientauglich mag, findet sein Zuhause in Best Family Game, wo Donkey Kong Bananza, LEGO Party, LEGO Voyagers, Mario Kart World, Sonic Racing: Crossworlds und einmal mehr Split Fiction nominiert sind.
Strateginnen und Manager-Typen schauen derweil auf Best Sim/Strategy Game. Dort treten The Alters, Final Fantasy Tactics: The Ivalice Chronicles, Jurassic World Evolution 3, Sid Meier’s Civilization VII, Tempest Rising und Two Point Museum gegeneinander an. Und in Best Sports/Racing Game geht es gewohnt arcadig und kompetitiv zu mit EA Sports FC 26, EA Sports F1 25, Mario Kart World Rematch und Sonic Racing: Crossworlds.
VR, Barrierefreiheit, Creator und Esports
Die VR-Szene hat längst ihren festen Platz in der Show. In Best VR/AR Game stehen Alien: Rogue Incursion, Arken Age, Ghost Town, Marvel’s Deadpool VR und The Midnight Walk zur Wahl – eine Bandbreite von Horror über surreale Erkundung bis Superheldenchaos. In Innovation in Accessibility werden Studios ausgezeichnet, die Barrierefreiheit nicht als Bonus, sondern als festen Bestandteil der Entwicklung verstehen: Assassin’s Creed Shadows, Atomfall, DOOM: The Dark Ages, EA Sports FC 26 und South of Midnight zeigen, wie viele Spielerinnen und Spieler heute nicht mehr ausgeschlossen werden müssen.
Auch Content Creator bekommen mit Content Creator of the Year ihr eigenes Schaufenster. 2025 sind Caedrel, Kai Cenat, MoistCr1tikal, Sakura Miko und The Burnt Peanut nominiert – eine Mischung aus Esports-Analysten, Variety-Streamerinnen und VTubern, die den Ton des täglichen Gaming-Diskurses stark mitbestimmen.
Im Esports-Bereich ändert sich wenig an der Dominanz einiger Titel. In Best Esports Game konkurrieren Counter-Strike 2, DOTA 2, League of Legends, Mobile Legends Bang Bang und Valorant. Die Kategorie Best Esports Athlete listet Brawk, Chovy, Forsaken, Kakeru, Menard und Zywoo, während Best Esports Team die Leistungen von Gen.G (League of Legends), NRG (Valorant), Team Falcons (DOTA 2), Team Liquid PH (Mobile Legends Bang Bang) und Team Vitality (Counter-Strike 2) würdigt.
Most Anticipated, Game Pass-Effekt und der Blick nach vorn
Der Blick in die Zukunft läuft bei The Game Awards traditionell über Most Anticipated Game. 2025 liest sich diese Liste wie eine Wunschvorstellung der gesamten Community: 007: First Light, Grand Theft Auto VI, Marvel’s Wolverine, Resident Evil Requiem und The Witcher IV. Viele dieser Projekte leben schon jetzt von Leaks, Fan-Theorien und Logos, ohne dass es mehr als einen kurzen Teaser zu sehen gab.
Abgerundet wird das Bild durch Best Game Direction, ebenfalls mit Clair Obscur: Expedition 33, Death Stranding 2: On the Beach, Ghost of Yotei, Hades 2 und Split Fiction, sowie natürlich Game of the Year. Dabei sticht ein weiterer Trend ins Auge, der besonders in Foren heiß diskutiert wird: Immer mehr nominierte Spiele erscheinen am ersten Tag direkt in einem Abo-Dienst. Besonders häufig fällt dabei der Name Game Pass. Gleich mehrere Hochkaräter – darunter Indiana Jones and the Great Circle, Clair Obscur: Expedition 33, Hollow Knight: Silksong, The Alters, Avowed, South of Midnight und Absolum – werden dort zum Launch verfügbar sein.
Für manche ist das ein Zeichen, dass Abos endgültig im Premium-Segment angekommen sind; für andere weckt es Sorgen um den klassischen Vollpreis-Kauf. Klar ist: Wenn gleich mehrere potenzielle Preisträger bei Release in einem einzigen Dienst landen, verschiebt das die Wahrnehmung, wie Spiele verteilt und finanziert werden.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass The Game Awards 2025 nicht nur eine Momentaufnahme der „besten“ Spiele ist, sondern auch ein Spiegel der aktuellen Branchendebatten: Wie eng darf eine Shortlist sein? Wie viel Marketing verträgt eine Preisverleihung? Und welche Rolle spielen Abos für die Zukunft großer Produktionen? Die Abstimmung auf der offiziellen Website läuft bereits, und am 11. Dezember wird sich zeigen, ob Clair Obscur: Expedition 33 seinen Favoritenstatus bestätigt, ob Außenseiter wie Hollow Knight Silksong oder Kingdom Come: Deliverance 2 für Überraschungen sorgen – oder ob am Ende doch wieder mehr über die Snubs gesprochen wird als über die Gewinner.
2 kommentare
Ghost of Yotei in so vielen Top-Kategorien ist schon hart übertrieben, Style ist nice, aber Gameplay ist eher so naja lol 😂
Ganz ehrlich, würde Death Stranding 2 und Hades 2 aus der GOTY-Liste kicken, dann würde das Ganze direkt mutiger wirken