Die japanische Videospielwelt trauert um einen ihrer legendärsten und zugleich umstrittensten Köpfe: Tomonobu Itagaki, Schöpfer der Reihen Dead or Alive und Ninja Gaiden, ist im Alter von 58 Jahren verstorben. Die Nachricht wurde am 16. 
Oktober auf seinem offiziellen Facebook-Profil veröffentlicht und löste eine Welle der Anteilnahme aus – von Spielern, Weggefährten und Entwicklerkollegen, die seinen Einfluss auf das moderne Action-Genre würdigten.
Itagaki begann seine Karriere Anfang der 1990er bei Tecmo. In einer Zeit, in der Street Fighter und Mortal Kombat den Markt dominierten, wagte er etwas völlig Eigenes. So entstand Dead or Alive – ein Spiel, das für seine schnellen, technisch anspruchsvollen Kämpfe bekannt wurde, aber ebenso für seine provokante Ästhetik. Unter der Oberfläche des Glamours steckte ein präzise ausbalanciertes Kampfsystem, das Spieler forderte und belohnte. Itagaki hatte keine Angst, Grenzen zu überschreiten – und genau das machte ihn berühmt.
Seinen größten Triumph feierte er 2004 mit dem Reboot von Ninja Gaiden für die Xbox. Der Titel war gnadenlos schwierig, aber auch stilistisch brillant – eine perfekte Mischung aus Geschwindigkeit, Präzision und Herausforderung. Ninja Gaiden Black und Ninja Gaiden 2 folgten und machten klar: Itagaki war ein Perfektionist, der seine Vision kompromisslos umsetzte. Viele heutige Entwickler nennen seine Arbeit als Inspiration – darunter auch jene, die später Dark Souls erschufen.
2008 verließ Itagaki Tecmo nach einem viel beachteten Rechtsstreit. Doch anstatt sich zurückzuziehen, gründete er Valhalla Game Studios – gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern seines Teams. Ihr Projekt Devil’s Third erschien 2015 und polarisierte zwar, zeigte aber deutlich: Itagaki blieb sich treu. 2021 gründete er Itagaki Games mit der Hoffnung auf ein neues Kapitel – doch dazu sollte es nicht mehr kommen.
Bekannte Namen aus der Branche erinnerten sich mit bewegenden Worten. Katsuhiro Harada, Produzent von Tekken, schrieb: „Nein, Itagaki-san… du hast doch gesagt, wir gehen das nächste Mal zusammen was trinken.“ Trotz ihrer Konkurrenz in der Fighting-Game-Szene bezeichnete Harada ihn als „Kameraden im Geiste“. Kohei Ikeda, Direktor von Tekken 8, nannte ihn „eine Legende des Kampfspiel-Genres, die eine Ära geprägt hat“.
Auch Team Ninja, das Studio, das unter seiner Führung groß wurde, veröffentlichte eine Erklärung: „Wir sind zutiefst traurig über den Verlust unseres ersten Leiters. Wir werden seine Philosophie und Kreativität fortführen, um Spiele zu schaffen, die Spieler auf der ganzen Welt begeistern.“
Weitere Weggefährten wie Takanobu Terada (Super Robot Wars) und Ryutaro Ichimura (Dragon Quest) erinnerten sich an seine menschliche Seite. Er war nicht nur ein harter Arbeiter, sondern auch jemand, der zuhören, loben und motivieren konnte. „Er hatte dieses Image des harten Typen“, sagte Ichimura, „aber in Wahrheit war er unglaublich herzlich.“
Masahiro Sakurai, Schöpfer von Kirby und Super Smash Bros., fasste das Gefühl vieler mit schlichten Worten zusammen: „Möge seine Seele in Frieden ruhen.“
Tomonobu Itagaki war mehr als nur ein Entwickler – er war ein Symbol für Mut, Stil und kreative Freiheit. Seine Spiele erinnerten uns daran, dass Risiko und Leidenschaft das Herz der Kunst sind. Solange Spieler nach Herausforderungen suchen, solange Entwickler Neues wagen, wird sein Vermächtnis weiterleben – in jeder Attacke, in jedem Bosskampf und in jedem Moment, in dem Gaming wieder zu einer echten Prüfung wird.
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Er ist weg, aber sein Einfluss bleibt. Jeder harte Bosskampf trägt seine DNA