Donald Trump erhöht den Druck auf die Halbleiterbranche und droht mit drastischen Zöllen für alle Firmen, die nicht bereit sind, Fabriken in den USA zu bauen oder zumindest Investitionen anzukündigen. Bei einem Abendessen mit führenden Tech-CEOs erklärte der Ex-Präsident, dass Amerika seine technologische Unabhängigkeit zurückgewinnen müsse. 
Während die Biden-Regierung auf Anreize wie Steuervergünstigungen und Zuschüsse durch den CHIPS Act setzte, will Trump mit harter Hand vorgehen: Investiere in den USA oder zahle.
Die Pläne laufen über Section 232, ein rechtliches Instrument, das normalerweise aus Gründen der nationalen Sicherheit eingesetzt wird. Das Handelsministerium prüft derzeit die Reichweite solcher Zölle, Experten halten sogar Sätze von bis zu 100 % auf bestimmte Chipimporte für möglich. Trumps Botschaft war unmissverständlich: „Wer baut oder zumindest plant, in die USA zu kommen, wird verschont. Wer nicht, der muss mit einem sehr deutlichen Tarif rechnen.“
Damit dürften Großkonzerne wie TSMC, Samsung, SK hynix oder Micron vorerst auf der sicheren Seite sein, da sie bereits milliardenschwere Fabriken in den USA angekündigt haben. Kritiker sehen in Trumps Vorgehen jedoch eine Form von wirtschaftlicher Erpressung, die am Ende amerikanische Konsumenten belastet und mögliche Gegenmaßnahmen anderer Staaten provoziert. Während Biden mit „Zuckerbrot“ lockte, setzt Trump klar auf die „Peitsche“.
Besonders heikel ist die Lage für Intel. Der US-Konzern erhielt milliardenschwere Subventionen vom Staat, steckt aber weiter große Summen in Werke im Ausland. Beobachter fragen, ob Intel nicht als erstes ins Visier geraten müsste. Doch Fakt ist: Die überwältigende Mehrheit modernster Chips kommt weiterhin aus Asien. Ein kurzfristiger Wandel ist kaum realistisch – und so droht am Ende der amerikanische Verbraucher die Zeche zu zahlen, mit teureren Laptops, Autos und Smartphones.
Hinzu kommt die Abhängigkeit von seltenen Erden, die für Hightech von Drohnen bis Medizintechnik unverzichtbar sind. China hat bereits angedeutet, den Export einzuschränken – was die Verwundbarkeit der USA nur noch verstärkt. An der Börse herrscht zwar Euphorie mit Rekordständen, doch im Alltag steigen Lebensmittel-, Gesundheits- und Technologiekosten weiter. Viele Ökonomen warnen: Neue Zölle könnten die Inflation sogar noch anheizen.
Ob Trumps Drohungen überhaupt Bestand haben, ist offen. US-Gerichte haben bereits Zweifel an der Rechtmäßigkeit so weitreichender Notstandsbefugnisse im Handel geäußert. Gegner befürchten, dass zukünftige Präsidenten dieses Instrument missbrauchen könnten. Anhänger dagegen halten die harte Linie für den einzigen Weg, die USA im globalen Chip-Wettlauf konkurrenzfähig zu halten. Klar ist: Halbleiter sind längst zum Brennpunkt im Kampf um geopolitische Macht geworden.