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Valve Steam Machine im Preischeck: GabeCube zwischen Mini-PC und Konsole

von ytools
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Die neue Desktop-Konsole von Valve, die die Community schon halb liebevoll, halb spöttisch „GabeCube“ nennt, wurde zunächst wie der logische nächste Schritt nach dem Steam Deck gefeiert. Eine kleine Box unter dem Fernseher, SteamOS als Betriebssystem, direkter Zugang zur kompletten Steam-Bibliothek – endlich PC-Gaming in Wohnzimmerform, ohne Bastelkram. Doch bevor Valve überhaupt einen finalen Termin oder einen offiziellen Preis genannt hat, steht ein Thema wie ein dicker Warnhinweis über dem Projekt: Das Gerät wird nicht subventioniert.
Valve Steam Machine im Preischeck: GabeCube zwischen Mini-PC und Konsole
Und genau das könnte am Ende entscheidend sein.

Wer die Konsolenbranche kennt, weiß: PlayStation und Xbox existieren seit Jahren auf einem Geschäftsmodell, das auf den ersten Blick fast absurd wirkt. Die Hersteller verkaufen die Hardware traditionell mit extrem niedriger Marge, manchmal sogar mit Verlust, und holen sich das Geld über Spieleverkäufe, Abos, DLCs, Lizenzen und Zubehör zurück. Für Spieler wirkt das wie ein Super-Deal: viel Leistung fürs Geld. Für Sony und Microsoft ist es eine langfristige Wette über fünf bis sieben Jahre Konsolengeneration.

Als Valve nun die neue Steam Machine ankündigte, war der Reflex vieler Beobachter klar: „Okay, die wollen jetzt direkt gegen PlayStation 5 und Xbox antreten und machen dasselbe – Hardware billig, Gewinne über Games.“ Schließlich kassiert Valve auf Steam eine kräftige Plattformgebühr, bietet eigene Controller, VR-Headsets und demnächst weitere Hardware an. In dieser Logik wäre eine aggressiv bepreiste Wohnzimmer-Box die perfekte Eintrittskarte, um noch mehr Leute dauerhaft ins Steam-Ökosystem zu ziehen.

Doch sehr schnell wurde deutlich, dass Valve genau das nicht tun wird. Hardware-Ingenieur Yazan Aldehayyat sprach früh davon, dass der Preis „sehr konkurrenzfähig im Vergleich zu einem ähnlichen, selbstgebauten PC“ sein soll. Für alle, die schon einmal einen Gaming-PC zusammengeschraubt haben, klingt das weniger nach Konsolenschnäppchen und mehr nach klassischem PC-Markt: Du zahlst ungefähr das, was die Komponenten eben kosten. Später stellte Software-Ingenieur Pierre-Loup Griffais dann unmissverständlich klar, dass Valve nicht vorhat, pro Gerät bewusst Verluste zu machen, nur um Marktanteile zu erkaufen.

Stattdessen setzt Valve auf Argumente, die PC-Bauer kennen – und manchmal beneiden. Das Gehäuse soll extrem kompakt sein, dennoch leise bleiben und eine Performance liefern, für die typische Micro-ITX-Bauten oft laute Lüfterorgien brauchen. Dazu kommen Komfortfunktionen, die man eher aus fertigen Geräten kennt: HDMI-CEC, damit sich TV und Box besser verstehen, ein durchdachtes WLAN- und Bluetooth-Design mit vier Antennen, optimiert für mehrere Controller gleichzeitig. Kurz gesagt: Das Ding soll sich im Wohnzimmer eher wie eine Konsole anfühlen, nicht wie ein verkleideter Office-PC.

All diese Extras verschwinden aber nicht magisch aus der Kostenrechnung. Ohne Konsolen-Subventionen, dazu mit steigenden Preisen für RAM und andere Komponenten, deuten Schätzungen auf einen Launchpreis irgendwo zwischen 800 und 900 US-Dollar hin. Damit rutscht die Steam Machine automatisch in die Liga teurer Mini-PCs von Asus, Minisforum & Co. und weit weg von der Region, in der eine PlayStation 5 normalerweise liegt – vor allem, wenn sie im Angebot für 400 oder sogar 350 Euro zu haben ist. Für viele „nur“ Konsolen-Spieler ist die Diskussion damit eigentlich schon beendet.

Die Reaktion in Foren, Kommentaren und sozialen Netzwerken fällt entsprechend rau aus. Immer wieder taucht das Etikett „DOA“ – dead on arrival – auf. Viele sehen Valve auf direktem Kurs, denselben Fehler wie bei der ersten Steam-Machine-Welle zu wiederholen: ambitionierte, aber überteuerte Hardware, die am Massenmarkt vorbeientwickelt wird. Gerade nach den wirtschaftlich harten Pandemie-Jahren wirkt die Vorstellung, dass Leute „mal eben“ 800 bis 900 Euro für eine Zusatzbox ausgeben, auf viele schlicht weltfremd.

Hinzu kommt, dass die kursierenden Specs nicht alle Kritik entkräften. Erwartet wird eine RDNA3-GPU mit 8 GB VRAM und eine Sechskern-CPU – ordentlich, aber eben nicht spektakulär. Im direkten Vergleich wirkt der PS5-Chip mit acht Kernen und flexibler, gemeinsam genutzter Speicherarchitektur ziemlich konkurrenzfähig, zumal Sonys Konsole günstiger ist. Wer das Ganze nüchtern als Preis-Leistungs-Rechnung betrachtet, fragt sich zu Recht, warum er mehr bezahlen sollte, um am Ende bestenfalls ähnliche Performance zu bekommen – und im Zweifel auf Konsolenexklusives zu verzichten.

Doch es gibt eine zweite Sichtweise, die man in der aufgeregten Konsolendebatte schnell übersieht. Für einen Teil der Zielgruppe ist die Steam Machine gar keine Konsole im klassischen Sinne, sondern ein fertig konfigurierter Linux-Mini-PC, von Valve selbst für SteamOS, Proton und den Linux-Kernel validiert. Menschen, die zwar Lust auf Linux haben, aber keine Motivation, Treiberprobleme zu debuggen oder sich mit UEFI-Besonderheiten herumzuschlagen, sehen in der GabeCube einen kleinen, zuverlässigen Allrounder: tagsüber leiser Arbeitsplatzrechner mit Blender oder Entwicklungs-Setup, abends gemütliche Couch-Gaming-Box.

Genau an dieser Stelle holt Valve allerdings die eigene Hardware-Historie ein. Vor dem Steam Deck war die Erfolgsbilanz eher durchwachsen: Die ursprünglichen Steam Machines verpufften in einem Wirrwarr aus Partner-Geräten, der Steam Controller blieb ein Liebhaberstück, und die Streaming-Box für den Fernseher verschwand leise aus dem Markt. Erst das Steam Deck traf einen Nerv: Die Leute hatten genug von der schwächlichen Switch-Hardware, wollten PC-Flexibilität im Handheld-Format und waren inmitten der GPU-Preisspirale bereit, für eine starke, mobile Gaming-Maschine Geld auf den Tisch zu legen.

Manche befürchten, Valve könnte diesen Erfolg falsch lesen – so nach dem Motto: „Hardware mit Steam-Logo verkauft sich schon.“ Dabei könnte das Deck eher ein Sonderfall gewesen sein, bei dem Timing, Preis und Produktidee perfekt zusammengepasst haben. Die Steam Machine dagegen wirkt weniger klar positioniert. Wendet sie sich an Konsolenspieler, die in die PC-Welt schnuppern wollen? An PC-Spieler mit schwacher Hardware, die einfach eine stärkere Box danebenstellen wollen? Oder an Eltern, die eine unkomplizierte Kiste für ihre 12-jährigen Fortnite- und Roblox-Fans suchen?

Genau hier kritisieren viele, Valve hätte besser auf eine klarere Produktfamilie gesetzt. Ein Steam Deck 2, dazu eine Wohnzimmer-Box und eine Docking-Lösung, alles eng verzahnt, mit nahtlosem Wechsel zwischen Handheld und TV – so sähe für sie eine nachvollziehbare Roadmap aus. Stattdessen wirkt die neue Steam Machine wie ein Soloprojekt, das versucht, mehreren Zielgruppen gleichzeitig gerecht zu werden, ohne eine davon wirklich direkt anzusprechen.

Trotzdem wäre es voreilig, die GabeCube schon abzuschreiben. Der Markt für kompakte Mini-PCs mit ähnlicher CPU-/GPU-Kombination existiert längst, und auch dort liegen Geräte oft bei 800 bis 900 Euro. Wer sowieso nach einem kleinen, leisen Desktop sucht und Linux-Unterstützung ernst nimmt, könnte den Aufpreis für Valves Software-Finish, Treibertests und die enge Verzahnung mit SteamOS durchaus fair finden. Gerade Nutzer, die nie einen klassischen Konsolen-Fetisch hatten, sehen in der Box eher ein praktikables Werkzeug als ein Luxus-Spielzeug.

Für die breite Masse bleibt die Rechnung aber knallhart: Konsole kaufen und Ruhe, oder einen vollwertigen PC anschaffen, den man später aufrüsten kann. Dazwischen drängt sich nun eine Box, die vom Preis her deutlich näher am PC ist, aber in Sachen Offenheit und Aufrüstbarkeit eher in Konsolennähe liegt. Historisch haben solche Hybride nur selten große Stückzahlen erreicht. Wenn die Steam Machine tatsächlich ohne Controller und ohne Subvention in der Nähe der 900-Dollar-Marke landet, wird sie sich diesen Trend hart erarbeiten müssen.

Am Ende lässt sich die ganze Diskussion auf eine einfache Frage zuspitzen: Bei welchem Preis kippt die Wahrnehmung von „zu teuer für das, was sie kann“ hin zu „okay, dafür stelle ich mir das Ding wirklich ins Wohnzimmer“? In vielen Community-Umfragen taucht eine psychologische Obergrenze von rund 500 Dollar auf, 600 werden schon mit spitzen Fingern diskutiert. Valve setzt darauf, dass Technik, Komfort und das vertraute Steam-Ökosystem zusammen genug Strahlkraft haben, um einen Mini-PC-Preis wie einen fairen Deal wirken zu lassen. Ob diese Wette aufgeht oder die neue Steam Machine nur als weiteres, teures Nischenexperiment in die Geschichte eingeht, wird sich zeigen, sobald die ersten Verkaufszahlen auf dem Tisch liegen.

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1 kommentar

OrangeHue January 3, 2026 - 6:20 pm

Wenn ich eh Mini-PC-Preise zahle, greife ich vielleicht direkt zu Asus oder Minisforum und baue mir mein Setup selbst, statt mich auf Valves Box zu verlassen

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