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Vampire Crawlers macht aus Vampire Survivors einen Ego-Dungeon-Crawler mit Deckbuilder

von ytools
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Vampire Survivors war zunächst nur ein kleiner Pixel-Geheimtipp, der aussah wie ein Witzprojekt und sich dann als perfekter Zeitfresser entpuppt hat. Ein paar Minuten ausprobieren, ein paar Runden später ist plötzlich Mitternacht. Jetzt wagt sich das Universum einen deutlichen Schritt weiter: Mit Vampire Crawlers bringt poncle einen Spin-off, der die bekannte Vogelperspektive gegen die Ego-Sicht tauscht und das Ganze als Dungeon Crawler mit Roguelike-Deckbuilder neu aufzieht.
Vampire Crawlers macht aus Vampire Survivors einen Ego-Dungeon-Crawler mit Deckbuilder
Statt nur mehr vom Gleichen gibt es hier einen echten Genre-Mix, der ziemlich genau auf die Leute zielt, die schon beim Wort Deckbuilding schwach werden.

Anstatt mit einer Minispielfigur im Kreis über eine offene Fläche zu huschen, stehst du in Vampire Crawlers selbst mitten in der Action. Du wählst einen sogenannten Crawler, also eine Rückkehrer-Figur aus Vampire Survivors, und stapfst in verwinkelte Krypten, feuchte Tunnel und viel zu enge Gänge. Das Grundgefühl bleibt vertraut: Am Anfang bist du ein zerbrechlicher Niemand, der jeden Treffer spürt, aber mit jedem Raum, jeder Kiste und jedem Kartenfund wird aus dem Nichts langsam eine wandelnde Naturgewalt. Diese langsam eskalierende Kurve von schwach zu völlig übertrieben stark ist die DNA, die Crawlers vom Original erbt.

Das Herz des Spin-offs ist der Deckbuilder. Jeder Run startet mit einem schlichten Stapel aus Basisangriffen und ein paar Hilfskarten. Indem du Gegner besiegst, Kisten plünderst und Abzweigungen erforschst, füllst du dein Deck mit neuen Optionen, wertest Karten auf und schaltest Modifikatoren frei, die deren Verhalten radikal verändern. Du kannst Kosten senken, Effekte verstärken, Flächenschaden hinzufügen oder sogar auslösen, dass bestimmte Karten in Kombination noch einmal extra zünden. Nach ein paar Kämpfen wird aus der harmlosen Starthand schnell ein explosives Puzzle, bei dem eine falsche Entscheidung alles ruiniert – und eine clevere Kombo den Bildschirm in ein Feuerwerk verwandelt.

Im Kampf fühlt sich Vampire Crawlers wie ein Hybrid aus klassischen Ego-Dungeon-Crawlern und taktischem Kartenspiel an. Statt Waffenslots und klobigem Inventar hast du eine Hand voller Karten, deren Reihenfolge und Timing wichtig sind. Vielleicht eröffnest du mit einer Defensivkarte, die dir kurzzeitig einen Schild gibt oder einen Ausweichschritt erlaubt, ziehst dann ein Projektil, das um Ecken fliegt, und legst anschließend eine persistente Zone auf den Boden, die Gegner beim Durchlaufen schmilzt. Im Hintergrund läuft das typische poncle-Feuerwerk: übertriebene Treffergeräusche, bunte Drops, Zahlen, die durch die Luft fliegen, und dieser Moment, in dem das Spiel eher misst, wie absurd dein Sieg ausfällt, statt ob du überhaupt überlebst.

Inhaltlich bleibt alles klar im Vampire-Survivors-Kosmos verankert. Die gleichen schrägen Figuren, vertraute Waffenideen, Anspielungen auf Castlevania und Co. – nur diesmal verpackt in Karten, Relikte und passiven Boni. Viele Namen und Beschreibungen funktionieren wie Insider-Gags für Fans des Originals. Schon die Auswahl eines Upgrades kann sich anfühlen, als würde man durch ein Best-of der eigenen Lieblings-Builds blättern. Wer das Grundspiel versenkt hat, wird sich sofort wie zuhause fühlen, nur eben mit einer völlig anderen Kameraperspektive.

Ganz ohne Skepsis kommt der Perspektivwechsel aber nicht davon. Einige Fans schwören darauf, dass dieser spezielle Power-Fantasy-Loop am besten aus der Vogelperspektive funktioniert, wo man den gesamten Monstersturm überblickt und das Chaos fast schon von außen genießt. In Ego-Sicht muss man gleichzeitig die Übersicht, die Positionierung und die Kartenauswahl im Blick behalten – für manche klingt das eher nach Reizüberflutung. Auf der anderen Seite stehen all jene, die schlicht sagen: Mehr Deckbuilder-Roguelikes in dieser Welt, her damit. Für sie wirkt Vampire Crawlers wie ein logischer, wenn auch mutiger nächster Schritt. Und dann gibt es noch die Fraktion, die nach dem ersten Trailer sinngemäß schreibt, dass sie schon beim Wort Karten und beim Erscheinungsjahr 2026 emotional komplett verkauft war.

Poncle betont von Anfang an, dass Vampire Crawlers kein direkter Nachfolger ist, sondern bewusst als Spin-off gedacht. Die Entwickler sehen darin den Auftakt einer Reihe von Experimenten, in denen sie das Erfolgsrezept von Vampire Survivors in verschiedene Richtungen strecken können, ohne den Kern der Hauptreihe anzutasten. Parallel wird zwar an etwas gearbeitet, das deutlich mehr nach echter Fortsetzung klingt, aber darüber will das Studio noch nicht sprechen. Entsprechend fühlt sich Crawlers eher wie ein Experimentierfeld an: ein Ort, an dem ausprobiert wird, welche Systeme und Perspektiven funktionieren, bevor man sie eventuell irgendwann in ein richtiges Sequel überführt.

Geplant ist der Release von Vampire Crawlers für 2026 auf Xbox Series, PC, PlayStation 4, PlayStation 5 und Nintendo Switch. Die breite Plattformpalette zeigt deutlich, welchen Stellenwert diese Marke inzwischen hat. Neue Spielerinnen und Spieler können direkt mit Crawlers einsteigen, ohne das Original zu kennen, während Veteranen es als leicht verrückten Cousin betrachten dürften: immer noch besessen von Synergien, absurden Builds und dem süchtig machenden Gefühl der Eskalation, aber eben aus der Ego-Sicht und mit Kartenziehen statt Auto-Upgrades.

Die Wurzeln liegen weiterhin im Überraschungserfolg von Vampire Survivors, das Ende 2021 eher leise im Early Access landete und dann dank Mundpropaganda explodierte. Hinter der simplen Steuerung steckte ein dichtes Netz aus Waffenentwicklungen, Geheimnissen und versteckten Kombinationen, das jeden Run wie ein neues Experiment wirken ließ. Viele erinnerten sich an Phasen, in denen man die Schwierigkeitskurve so sehr überholt hatte, dass eine Runde eher in die Länge gezogen wurde – und trotzdem klickte man auf Neustart. Vampire Crawlers wirkt wie der Versuch, genau dieses Gefühl mitzunehmen, es aber stärker über bewusste Kartenentscheidungen zu steuern. Weniger Autopilot, mehr Planung, aber am Ende wieder diese Erkenntnis: Irgendwie ist es schon wieder viel später, als man dachte.

Ob du nun jedes neue Roguelike mit offenen Armen begrüßt oder beim Thema Deckbuilder innerlich stöhnst: Vampire Crawlers wirkt nicht wie ein austauschbares Trittbrettfahrer-Projekt. Eher wie die Frage, die sich poncle selbst stellt: Wie weit kann man die Formel von Vampire Survivors verbiegen, ohne das zu zerstören, was sie so besonders macht. Wenn das Experiment gelingt, könnte dieser Spin-off denselben Trick wiederholen wie das Original – unscheinbar auf der Festplatte landen, klein wirken, charmant grinsen und dann vorsichtig, Run für Run, deine Freizeit auffressen.

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1 kommentar

404NotFound December 17, 2025 - 8:05 am

Original bleibt König, aber ich feier es, dass sie experimentieren statt einfach nur denselben Loop nochmal mit anderer Verpackung zu verkaufen

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