Inquisitor sein im Universum von Warhammer 40,000 klang lange nach einem recht eindimensionalen Job: Häretiker finden, Häretiker verbrennen, weiterziehen. Mit Warhammer 40,000: Dark Heresy zeigt Owlcat Games, dass hinter diesem Titel viel mehr steckt. Nach Rogue Trader kehrt das Studio in die düstere Zukunft der Menschheit zurück, legt den Fokus aber deutlich stärker auf Ermittlungsarbeit, Intrigen und Entscheidungen mit Gewicht. 
Die neuen Screenshots machen das deutlich: detailverliebte, gotische Schauplätze, rundenbasierte Gefechte voller taktischer Kniffe – und vor allem ein Detektivsystem rund um eine Mindmap, die sich anfühlt wie das digitale Gehirn deines Inquisitors.
Wer Rogue Trader gespielt hat, wird vieles wiedererkennen: ein umfangreiches CRPG mit verzweigten Dialogen, moralischen Dilemmata und einem Begleitertrupp, der ständig für Drama sorgt. Dark Heresy wirkt trotzdem nicht wie ein bloßes Add-on, sondern wie ein bewusster Richtungswechsel. Deine Zelle besteht aus fanatischen Gläubigen, abgebrühten Veteranen, gefährlichen Psionikern und zwielichtigen Agenten – alle mit eigenen Stärken im Kampf und bei Nachforschungen. Auf den neuen Bildern sieht man die Truppe durch riesige Kreuzer der Inquisition streifen, verfallene Kathedralen erkunden und sich durch enge Gassen von Makropolen schlagen, über denen Neonpropaganda und Litaneien hängen. Statt heldenhafter Space-Oper dominiert hier das Gefühl, dass jeder Verbündete potenziell der nächste Verräter sein könnte.
Herzstück der Ermittlungsarbeit ist die Mindmap, die Dark Heresy klar von vielen anderen Rollenspielen absetzt. Statt einfach Questmarker abzulaufen, sammelst du Hinweise, Zeugenaussagen, Akten, Symbole und Beobachtungen und ordnest sie in einer wachsenden Übersicht an. Jeder Knoten steht für ein Stück Information: ein Kult, ein Name, ein Ort, ein Datum, ein auffälliges Verhalten. Indem du Verbindungen ziehst, Hypothesen bildest und Widersprüche aufdeckst, arbeitest du dich zum Kern der Verschwörung vor. Fehlinterpretierst du die Lage, beschuldigst du womöglich die falsche Person, provozierst Aufstände oder lässt einen dämonischen Einfluss viel zu lange gewähren. Gelingt dir der gedankliche Durchbruch, fühlt es sich an, als hättest du wirklich ermittelt – und nicht nur einen Logbucheintrag angeklickt.
Diese Detektivarbeit greift direkt in die taktischen Rundenkämpfe hinein, die Owlcat spürbar überarbeitet hat. Auf den ersten Blick erinnert vieles an Rogue Trader, doch das System ist nun klar schärfer ausgerichtet. Die neue Deckungsmechanik zwingt dich, Winkel, Sichtlinien und Höhenunterschiede ernster zu nehmen: jede Säule, jede Bankreihe, jede provisorische Barrikade kann entweder Lebensretter oder Todesfalle sein. Mit dem überarbeiteten Zielsystem kannst du gezielt bestimmte Gegnertypen, Körperregionen oder Rollen im Feindtrupp ausschalten, um Anführer zu isolieren, Unterstützer zu unterbrechen oder ganze Gruppen zu kontrollieren. Informationen aus deiner Mindmap werden hier spielmechanisch relevant: Wer ist fanatisch und kämpft bis zum letzten Atemzug, wer bricht bei Verlusten ein, wer hängt an psionischer Unterstützung? All das beeinflusst, wie du dein Kommando positionierst.
Die veröffentlichten Screenshots zeigen, wie eng beides verzahnt ist: ein Trupp, der hinter zerschmetterten Kirchenbänken in Deckung kauert, während ein verwundeter Akolyt das Feuer auf sich zieht; der Inquisitor, der seitlich ansetzt, um einen Kultführer zu stellen; daneben eine Mindmap voller roter Fäden, die verdächtige Adlige, verbotene Rituale und Hinweise auf xenosartige Einflüsse miteinander verbindet. Dark Heresy inszeniert Warhammer 40K nicht nur als endlose Materialschlacht, sondern als düsteren Thriller, in dem politische Intrigen, religiöser Fanatismus und kosmischer Horror untrennbar ineinandergreifen.
Lange warten muss man auf einen ersten eigenen Eindruck nicht: Die Alpha-Version von Warhammer 40,000: Dark Heresy soll am 16. Dezember auf Steam starten und bietet Zugang zu zentralen Systemen wie der Mindmap-Ermittlung und den überarbeiteten Taktikgefechten. Diese Alpha ist mehr als eine simple Kostprobe – Owlcat will daran Feintuning für Schwierigkeit, Lesbarkeit der Hinweise, Tempo der Kampagne und den Wechsel zwischen Dialog, Erkundung und Kämpfen vornehmen. Rogue Trader hat bereits bewiesen, dass das Studio große CRPG-Epen im 40K-Setting beherrscht. Dark Heresy will nun zeigen, dass die Rolle des Inquisitors noch viel spannender ist, wenn man nicht nur Exekutor, sondern auch Ermittler und Richter zugleich ist – mit dem Schicksal ganzer Welten als Einsatz.