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Warum Samsung und Google frei belegbare Hardware-Tasten brauchen

von ytools
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Warum Samsung und Google frei belegbare Hardware-Tasten brauchen

Warum Samsung und Google wieder echte Hardware-Tasten brauchen

Wer regelmäßig neue Android-Flaggschiffe ausprobiert, merkt schnell: Jahr für Jahr werden Displays heller, Kameras schlauer und Chipsätze schneller – aber die Art, wie wir unsere Smartphones bedienen, steckt erstaunlich fest. Auf der Seite des Geräts findet man fast immer dasselbe Set-up: eine Power-Taste, eine Lautstärkewippe, Ende. Für ein Gerät, das wir permanent in der Hand haben, ist das verdammt wenig Fantasie.

Das Ironische daran: Gerade beim Alltagserlebnis ist nicht die nächste animierte UI oder ein versteckter Menüpunkt entscheidend, sondern das, was man wirklich anfassen kann. Ein gut platzierter Knopf, den man blind ertastet, verändert die Bedienung stärker als der x-te Wischgesten-Trick. Genau deshalb wirkt die kleine Renaissance der frei belegbaren Hardware-Tasten so spannend. Nach einer langen Phase glatter, minimalistischer Designs erinnern sich die Hersteller wieder daran, dass die Ränder eines Smartphones mehr sein können als nur Zierde.

Von der Tüftelphase zum Comeback der Seitentasten

Eigentlich ist die Idee nicht neu. Früher gab es jede Menge Experimente: separate Kamera-Tasten, Push-to-Talk, Musik-Shortcuts oder dedizierte Assistant-Keys. Mit der Zeit wurden diese Extras als altmodisch abgestempelt, und Minimalismus wurde zur Religion: je weniger Knöpfe, desto "premium". Das Ergebnis: schicke Geräte, die sich oft weniger praktisch anfühlen als ihre Vorgänger.

Doch im Alltag zeigt sich: ein komplett aufgeräumtes Gehäuse ist nicht automatisch ergonomisch. Auf Laptops und Tastaturen lieben wir Funktions-Keys für Lautstärke, Helligkeit oder Mikrofon. Warum sollte ausgerechnet das Gerät, das wir am häufigsten benutzen, darauf verzichten? Es liegt nur nahe, Smartphones wieder eine Art "Hotkey" zu spendieren – nur eben deutlich flexibler als früher.

Apple zündet den Funken, Android-Hersteller legen nach

Der aktuelle Schub kam klar von Apple. Statt den klassischen Stummschalter einfach beizubehalten, machte das Unternehmen daraus den Action Button – eine frei belegbare Taste, die weit mehr kann, als nur Lautlos ein- und auszuschalten. Auf Wunsch startet sie bestimmte Apps, löst Kurzbefehle aus, aktiviert Fokuseinstellungen, springt direkt in einen bestimmten Kamera-Modus oder bedient Szenen im Smart Home. Später kam noch eine zusätzliche Kamerataste dazu, die das Ganze unterstreicht: Physische Interaktion ist alles andere als tot.

Die Android-Welt hat genau hingesehen – und schnell reagiert. Hersteller wie Oppo, OnePlus und Vivo brachten eigene Interpretationen auf den Markt. Geräte wie das Oppo Find X9 Pro, das OnePlus 15 oder das Vivo X300 Pro zeigen, wie erwachsen diese Idee inzwischen ist. Die zusätzlichen Tasten sind gut erreichbar, fühlen sich wertig an und lassen sich vielseitig belegen, statt auf eine einzige Funktion festgenagelt zu sein.

Was ein zusätzlicher Knopf im Alltag wirklich bringt

Meist sitzt eine universell belegbare Taste auf der linken Seite, dort, wo früher Stummschalter oder Schieberegler waren. Der Clou: Sie ist nicht auf eine Aufgabe beschränkt, sondern wird zum persönlichen Schnellzugriff. Ein Druck, und das Handy wechselt vom Klingeln in den Nicht-stören-Modus, startet die Kamera, schaltet die Taschenlampe ein, öffnet direkt Google Übersetzer oder aktiviert einen ganzen Automations-Workflow.

Mindestens genauso spannend ist eine dedizierte Kamera-Taste auf der rechten Seite. Klar, man kann die Kamera auch mit Doppeldruck auf den Power-Button oder einem Lockscreen-Shortcut öffnen. Aber eine echte Auslösetaste fühlt sich anders an. Das Smartphone liegt stabil in der Hand, der Finger verdeckt nicht mehr die halbe Ansicht, Zoom-Schritte lassen sich kontrollierter auslösen und Schnappschüsse mit nur einer Hand werden deutlich realistischer – etwa wenn man in der anderen Hand Einkaufstüten, Kinderwagen oder Hundeleine hat.

Der große Vorteil zeigt sich genau in Situationen, in denen der Touchscreen an seine Grenzen stößt: im Dunkeln, bei Regen, mit Handschuhen, auf dem Fahrrad oder in vollgestopften U-Bahnen. Eine Taste, die immer dasselbe tut und sich blind finden lässt, ist dann Gold wert. Kein Wischen, kein Suchen im Quick-Settings-Dschungel – nur ein Klick und die gewünschte Funktion ist da.

Samsung: Hightech innen, aber außen zu vorsichtig

Vor diesem Hintergrund wirkt die Zurückhaltung von Samsung umso auffälliger. Die Galaxy-S-Ultra-Reihe ist traditionell die Bühne für alles, was technisch gerade möglich ist: riesige Sensoren, Periskop-Zoom, Monster-Akkus – und natürlich der S Pen, der als Alleinstellungsmerkmal im Android-Lager gilt. Eigentlich wären das die perfekten Kandidaten, um zu zeigen, wie clever Hardware-Bedienung 2025 aussehen kann.

Stattdessen bleibt es an den Seiten bei Standardkost: Power-Taste, Lautstärke, fertig. Dabei hat Samsung mit der ehemaligen Bixby-Taste bereits erlebt, wie viel Potenzial in einem zusätzlichen Button steckt – und wie frustrierend es ist, wenn man ihn eben nicht frei belegen darf. Genau hier liegt die Chance für eine Neuauflage: diesmal ohne Zwang zu Bixby und mit echter Freiheit für die Nutzerinnen und Nutzer.

Man stelle sich ein Galaxy S26 Ultra vor, bei dem links eine schmale Action-Taste sitzt und rechts ein kapazitiver Kamera-Auslöser. In One UI könnten sie tief mit den "Modi und Routinen" verzahnt sein: ein kurzer Druck wechselt ins Arbeitsprofil, langes Halten startet Samsung DeX, ein Doppelklick öffnet direkt den 10x-Zoom oder die Bildschirmaufnahme. Alles, ohne das Gehäuse dicker zu machen oder Design-Ikonen wie die klare Silhouette des Ultras zu opfern.

Pixel: Früher verspielt, heute fast zu brav

Auch bei Google Pixel ist der Wandel spürbar. Frühe Modelle hatten gern eine eigene Note: Active Edge, bei dem man das Gehäuse zusammendrückte, um den Assistant zu starten, oder Radar-Gesten, mit denen man Songs übersprang oder den Wecker in der Luft ausschaltete. Nicht alles war praxistauglich, aber es vermittelte das Gefühl: Hier wird ernsthaft an neuen Bedienkonzepten probiert.

Die aktuellen Pixel-Generationen wirken deutlich erwachsener – und zugleich glatter. Optisch sind sie eigenständig, die Kameraleiste ist unverwechselbar, und die Software ist beim Thema KI vielen voraus. Doch die physische Interaktion wirkt austauschbar: Power, Lautstärke, das war’s. Abgesehen von einem etwas skurrilen Thermometer-Sensor fehlt ein Element, das man als typisch Pixel-Hardware bezeichnen könnte.

Gerade das ist schade, denn kaum ein Hersteller wäre so prädestiniert für eine intelligente Aktionstaste wie Google. Ein Knopfdruck könnte den Recorder im Interview-Modus mit Live-Transkript starten. Langes Halten könnte Call Screen aktivieren, das unbekannte Anrufer automatisch abfängt. Doppeltes Drücken wirft den Live-Übersetzer an, schaltet Live Caption zu oder startet eine On-Device-Suche über alles, was gerade auf dem Bildschirm zu sehen ist. All diese Funktionen existieren bereits – sie warten nur darauf, mit einer fühlbaren Taste verbunden zu werden.

Mehr Auswahl, kein Zwang

Das Standard-Argument gegen zusätzliche Buttons lautet: "Die Leute sind jetzt schon überfordert, noch mehr Optionen machen alles komplizierter." In der Praxis ist es meist genau andersherum. Eine frei belegbare Taste kann ab Werk ganz schlicht eingestellt sein – etwa Kamera starten oder Klingeln/Stumm wechseln – und damit sogar für weniger Verwirrung sorgen, weil sie eine klare Aufgabe hat.

Wer mehr möchte, taucht in die Einstellungen ein und macht daraus den persönlichen Super-Shortcut. Wer keine Lust hat, lässt alles so, wie es ist. Niemand wird gezwungen, pro Tastendruck fünf Automationen zu starten. Der Clou: Im Gegensatz zu Entscheidungen wie "Klinke weg" oder "microSD gestrichen" nimmt ein zusätzlicher Button niemandem etwas weg. Er ist reiner Zugewinn für die, die ihn nutzen wollen – und für alle anderen einfach nur eine weitere, gut integrierte Taste.

Warum Samsung und Google sich nicht länger wegducken sollten

Inzwischen ist klar: Frei belegbare Hardware-Tasten sind kein exotisches Nischen-Feature mehr. Apple hat mit dem Action Button vorgelegt, Oppo, OnePlus und Vivo haben gezeigt, wie sich das Konzept im Android-Lager elegant umsetzen lässt. Die Geräte bleiben schlank, wasserdicht und hochwertig, trotzdem gewinnen sie spürbar an Bedienkomfort.

Wenn Samsung und Google weiterhin so tun, als würden Power-Taste und Lautstärke-Wippe jede Nutzungssituation abdecken, wirken sie ausgerechnet im High-End-Segment altbacken. Gerade dort, wo Nutzerinnen und Nutzer sehr genau auf Details achten, können ein oder zwei gut durchdachte Tasten zum Argument für oder gegen einen Kauf werden.

Die großen Sprünge im Smartphone-Bereich sind selten geworden. Kameras sind längst auf hohem Niveau, Displays sind spektakulär, und der jährliche Leistungszuwachs fühlt sich für viele nur noch auf dem Papier beeindruckend an. Umso wichtiger werden Kleinigkeiten, die man jeden Tag spürt. Eine Hardware-Taste, die auf Knopfdruck genau das tut, was man braucht, gehört genau in diese Kategorie.

Wenn Samsung und Google wollen, dass Galaxy S Ultra und Pixel sich im Alltag wirklich modern anfühlen und nicht nur in Werbespots, führt an einem Comeback der physischen Bedienung kaum ein Weg vorbei. Die Ränder unserer Smartphones haben mehr verdient als nur An/Aus und Laut/Leise – und unsere Finger warten längst auf den nächsten Klick.

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1 kommentar

Ninja January 21, 2026 - 3:20 pm

Für Leute mit Sehschwäche ist eine ertastbare Taste viel angenehmer als kleine Icons auf dem Display, kann ich aus Erfahrung sagen

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