
X will nicht, dass du gehst – selbst wenn du auf einen Link klickst
Elon Musks Plattform X verändert erneut das Internet-Spiel. Früher bedeutete ein Klick auf einen Link: du verlässt die App. Heute heißt das bei X: du bleibst, egal wohin du klickst. Das Ziel ist klar – Nutzer sollen die Plattform nicht mehr verlassen, sondern sich in ihrem eigenen digitalen Kosmos bewegen, wo alles miteinander verknüpft ist.
Wer X auf iOS nutzt, könnte die Neuerung schon bemerkt haben. Beim Antippen eines Links öffnet sich die Webseite jetzt direkt in der App, während der ursprüngliche Post am unteren Bildschirmrand sichtbar bleibt – inklusive Like-, Kommentar- und Repost-Buttons. Laut Produktchef Nikita Bier soll das die Interaktion fördern. Früher klickten Nutzer auf einen Link, verschwanden im Browser und kamen nie zurück, um zu reagieren. Jetzt kann man lesen und gleichzeitig mit dem Post interagieren – ein Trick, um Engagement zu behalten.
Für Creator könnte das ein Wendepunkt sein. Posts mit externen Links hatten bisher deutlich weniger Reichweite, weil sie Nutzer aus der App herausführten – ein rotes Tuch für jede Plattform. Mit der neuen Ansicht bleibt der Beitrag im Vordergrund, während man die Webseite öffnet. So bleibt der Kontakt zur Community bestehen, auch wenn man auf externe Inhalte schaut. Das passt perfekt in Musks langfristige Vision, X in eine sogenannte „Alles-App“ zu verwandeln: ein Ort für Nachrichten, Chats, Videos, Einkäufe und Zahlungen, alles unter einem Dach.
Das klingt praktisch, aber steckt natürlich auch Kalkül dahinter. Je länger Nutzer in der App bleiben, desto mehr Daten fließen in den Algorithmus – und desto besser kann X verstehen, was dich fesselt. Bier nennt es eine Verbesserung des Nutzererlebnisses, Kritiker sprechen von geschicktem psychologischem Design, das dich nicht mehr loslässt.
Parallel dazu arbeitet Musk an einem weiteren großen Schritt: der Ablösung klassischer Interaktionsmetriken. Likes, Antworten und Reposts sollen bald keine Rolle mehr spielen, wenn es um die Empfehlungen im Feed geht. Stattdessen übernimmt Grok – die hauseigene KI von X. Grok soll täglich über 100 Millionen Beiträge und Videos analysieren, um vorherzusagen, was Nutzer sehen wollen. Damit würde eine künstliche Intelligenz entscheiden, welche Themen viral gehen und welche im Hintergrund verschwinden.
Das klingt nach einem personalisierten, intelligenten Feed – aber auch nach einer Blackbox. Wie trifft Grok Entscheidungen? Welche Inhalte bevorzugt die KI? Und welche werden aussortiert? Experten warnen, dass ein solches System die Vielfalt der Inhalte gefährden könnte. Wenn die Maschine entscheidet, was relevant ist, könnte das zu Filterblasen führen, in denen Nutzer nur noch das sehen, was sie ohnehin interessiert – oder was Musk für wichtig hält.
Am Ende fügt sich alles in ein größeres Bild: X will nicht nur eine Plattform sein, sondern eine geschlossene Welt, in der alles passiert – vom Scrollen bis zum Shoppen. Der neue Link-Mechanismus und Grok AI sind zwei Seiten derselben Strategie: Halte die Nutzer drinnen, kontrolliere den Fluss der Informationen und mach X zum Zentrum ihrer digitalen Zeit. Für manche ist das cleveres Design, für andere der Anfang einer neuen Abhängigkeit. Fakt ist: Wer auf X klickt, verlässt X nicht mehr wirklich.
2 kommentare
solange es läuft und nicht laggt, bin ich dabei 😎
Grok klingt cool, aber trau der Sache nicht ganz