YouTube geht aktiv gegen eines der größten Probleme des digitalen Zeitalters vor – die Flut von Deepfake-Videos. Künstliche Intelligenz kann inzwischen täuschend echte Gesichter, Stimmen und Bewegungen erzeugen, was immer häufiger zu Missbrauch führt. 
Nun hat YouTube ein neues Werkzeug vorgestellt, das genau hier ansetzt: eine KI-gestützte Erkennung von Gesichtsähnlichkeiten, die Creatorn helfen soll, sich vor digitalem Identitätsdiebstahl zu schützen.
Ein neuer Schutzschild gegen Deepfakes
Das neue Feature namens AI Likeness Detection wurde offiziell gestartet und richtet sich zunächst an Mitglieder des YouTube-Partnerprogramms. Es ermöglicht Creatorn, automatisch Videos zu erkennen, in denen ihr Gesicht ohne Zustimmung verwendet oder durch KI verändert wurde. Über das YouTube Studio können sie diese Videos direkt einsehen und bei Bedarf eine Löschung beantragen – ein Vorgang, der früher umständlich war, soll nun mit wenigen Klicks erledigt sein.
Damit will YouTube den Schutz der eigenen Identität und die Transparenz auf der Plattform stärken. Die Einführung erfolgt schrittweise, und bis Januar 2026 sollen alle monetarisierten Kanäle Zugang zu dem Tool erhalten. Es ist ein wichtiger Schritt, um gegen Manipulationen und Desinformation in Zeiten der generativen KI vorzugehen.
So funktioniert das neue Tool
Um die Funktion zu aktivieren, müssen Creator zunächst ihre Identität bestätigen – mit einem amtlichen Ausweis und einem kurzen Selfie-Video. Nach dieser Verifizierung durchsucht die KI laufend hochgeladene Inhalte auf der Plattform und prüft, ob irgendwo das Gesicht des Creators auftaucht. Wird ein Treffer gefunden, erscheint im YouTube Studio eine Übersicht mit allen relevanten Informationen: Titel des Videos, Kanalname, Aufrufzahlen und der exakte Abschnitt, in dem die Ähnlichkeit erkannt wurde. Von dort aus können Betroffene entscheiden, ob sie das Video prüfen oder direkt entfernen lassen möchten.
YouTube betont, dass die Maßnahme nicht gegen Parodien, Satire oder künstlerische Bearbeitungen gerichtet ist. Ziel ist es, gezielte Täuschungen und Fälschungen zu bekämpfen – also Inhalte, die eine Person absichtlich falsch darstellen oder in einen ungewollten Kontext bringen.
Deepfakes als neue digitale Bedrohung
In den letzten Monaten haben sich Deepfakes rasant verbreitet. Tools wie Sora oder andere KI-Video-Generatoren machen es möglich, realistisch wirkende Szenen mit fremden Gesichtern in Minuten zu erstellen. Was einst wie Science-Fiction klang, ist längst Teil des Alltags geworden. Dabei betrifft das Problem nicht mehr nur Prominente – auch normale Nutzer laufen Gefahr, in gefälschten Videos aufzutauchen.
Allerdings stößt die Lösung nicht überall auf Begeisterung. Einige kritisieren, dass YouTube zur Nutzung des Tools biometrische Daten und Ausweiskopien verlangt – ein heikles Thema, wenn es um Datenschutz geht. Andere wünschen sich klare Kennzeichnungen für KI-generierte Videos oder sogar einen separaten Feed für solche Inhalte. Damit wäre sofort sichtbar, was echt und was künstlich ist.
Trotz berechtigter Bedenken gilt das neue Feature als Meilenstein im Kampf gegen digitale Manipulationen. In einer Welt, in der Realität und Simulation immer stärker verschmelzen, wird der Schutz der eigenen digitalen Identität zur Grundvoraussetzung für jeden, der Inhalte im Internet veröffentlicht.